In der Nacht beginnt es zu regnen, und bereits am frühen Morgen stehen die Stellplätze unter Wasser. Die lehmige, rote Erde lässt kaum etwas versickern, weicht die Oberfläche auf und verwandelt das Gelände rasch in eine rutschige Schlammpiste. Da unser Nachbar schon früh aufgebrochen ist, habe ich freie Bahn, um das MANle ohne Umstände zwischen den engen Pfosten herauszumanövrieren. Während ich mit Zora auf der Morgenrunde bin, macht Susanne drinnen alles reisefertig. Ich hole noch die Wäscheleine ein, verstaue das Landstromkabel, fahre von den Ausgleichsbrettern und stelle das Fahrzeug auf die Zufahrtsstraße. Dort verabschieden wir uns herzlich von Sabine und Peter, bevor die Reise weitergeht. Kaum biegen wir auf die Ruta 12 ein, öffnet der Himmel erneut seine Schleusen. Die tiefen Spurrillen füllen sich im Nu mit Wasser und fordern höchste Konzentration am Steuer. Regelrechte Sturzbäche schießen quer über den Asphalt und zwingen uns in den Senken immer wieder fast bis zum Stillstand. Unser heutiges Ziel ist das rund 230 Kilometer entfernte San Ignacio mit seinen berühmten Jesuitenruinen. Der Regen begleitet uns treu auf fast der gesamten Strecke, was immerhin den praktischen Nebeneffekt hat, dass er den hartnäckigen roten Staub gründlich von Aufbau und Chassis wäscht. Dank des überschaubaren Verkehrs erreichen wir San Ignacio bereits am frühen Nachmittag. Für die Nacht finden wir einen unkomplizierten Platz an einer breiten, kopfsteingepflasterten Straße, gut positioniert im Lichtkegel einer Straßenlaterne. Als der Regen endlich nachlässt, nutzen wir die Gunst der Stunde für einen ausgiebigen Erkundungsgang durch den Ort. Zora sorgt dabei unweigerlich für Aufsehen in der örtlichen Hundewelt. Aus Höfen und Gassen wird gebellt, und etliche Vierbeiner kommen neugierig herbeigelaufen. Zora meistert das mit souveräner Gelassenheit. Wer ihr zu aufdringlich auf den Pelz rückt, wird mit einem kurzen Knurren auf Distanz gehalten, während friedliche Artgenossen freundlich gemustert oder direkt zum Spiel aufgefordert werden. Zurück am Truck geht es ans Abendessen. Da wir mitten an der Straße keine Campingmöbel aufstellen möchten, schlägt die Stunde unserer kompakten Außenküche, denn der kleine Gasgrill findet seinen festen Platz auf der heruntergeklappten Abdeckung der Edelstahlbox. Binnen einer Minute einsatzbereit, brutzelt draußen das Fleisch samt Soße, ohne dass Fettdunst in den Wohnraum zieht. Susanne kocht derweil drinnen die Nudeln auf den Punkt. Während ich am Grill hantiere, versammelt sich eine neugierige Schar Nachbarskinder um mich, die das Treiben mit großen Augen verfolgt und erst weiterzieht, als ich mit dem fertigen Essen im Aufbau verschwinde. Abgesehen von dem in Südamerika unvermeidlichen Hundegebell verläuft die Nacht friedlich und entspannt.




