29.09.2026 Rio São Lourenço: Regenschlacht, die Königin im Dickicht und alte Bekannte

Mit gewaltigen Erwartungen starten wir in den Tag: Heute geht es mit Wolfgang im kleinen Boot auf große Jaguar-Safari. Zuerst setzen wir über und holen Wolfgang von der anderen Flussseite ab, wo er sein Quartier auf einem der schwimmenden Hotelboote bezogen hat. Doch Petrus scheint heute ein echter Spielverderber zu sein. Statt tropischer Sonne schüttet es wie aus Eimern, und bei diesem Wetter denkt natürlich keine vernünftige Wildkatze daran, sich freiwillig zu präsentieren. Völlig durchnässt harren wir auf dem Wasser aus, die Stimmung auf Tauchstation, bis der Himmel gegen 10:00 Uhr endlich etwas Einsehen hat. Es klart zwar nicht wirklich auf, aber der Regen stoppt und eine drückende Wärme schiebt sich über den Fluss.

Dafür schlägt das Finderglück wenig später im dichten Ufergestrüpp zu! Auf einer kleinen Lichtung im Dickicht blitzt plötzlich das unverkennbare Rosettenmuster durch das nasse Gras. Zunächst liegt sie da wie versteinert, kein Muskel rührt sich. Erst als eines der großen Hotelboote vorbeibrummt und Wellen ans Ufer schlägt, kommt Leben in die Szene: Die Katze richtet sich auf, und wir können sie endlich in voller Pracht bestaunen. Anhand der Bilder im Datenstrom erkennt Nayru schnell die feinen Details: eine bildschöne, erfahrene Jaguar-Dame, für die Hektik ein absolutes Fremdwort ist. In aller Seelenruhe streckt und reckt sie sich, schlendert gemächlich ein paar Schritte Richtung Wasserlinie, um genüsslich etwas Gras zu kauen, und bezieht danach wieder ihren Logenplatz oben auf der Böschung. Von dort mustert sie uns mit einem Blick, der pure königliche Gleichgültigkeit ausstrahlt. Schließlich macht sie sich wieder lang, verschmilzt als dunkler Schatten mit dem Unterholz, der Vorhang fällt, die Show ist vorbei.

Und pünktlich zum Finale meldet sich auch der Regen zurück, diesmal mit noch mehr Wucht. Um die Technik zu retten, wandert die Kamera schleunigst in den wasserdichten Rucksack. Bei Schleichfahrt peitscht uns die Gischt erbarmungslos ins Gesicht. In einem geschützten Seitenarm machen wir kurz fest, um uns über die Lunchpakete herzumachen. Erst am frühen Nachmittag reißt die Wolkendecke noch einmal kurz auf. Für Jaguare reicht das kleine Wetterfenster nicht mehr, dafür liefert das Pantanal andere faszinierende Bilder: Urige, riesige Kaimane, auf deren gepanzerten Nasenspitzen bunte Schmetterlinge rasten, dazu unzählige Bussarde und schneeweiße Reiher auf der Lauer. Doch die Zeit reicht nicht, um noch tiefer in das Labyrinth der Seitenarme vorzudringen. Völlig durchnässt und mit klappernden Zähnen fällen wir das einzig vernünftige Urteil: Abbruch. Wir bitten den Bootsführer umzukehren, ein echter Glücksgriff, denn kurz darauf bricht der Himmel komplett auf und ertränkt die Welt im Dauerregen.

Zurück am MANle werden wir stürmisch empfangen: Zora flippt vor Freude fast aus, lässt aber auch die beleidigte Hundeleberwurst durchblitzen – wir haben die treue Seele in letzter Zeit wohl doch etwas zu oft allein gelassen. Da Susanne von der verregneten Ausbeute sichtlich enttäuscht ist, steht mein Entschluss schnell fest: Morgen bleibe ich bei Zora im Truck! So kann Susanne zusammen mit Andrina und Marco noch einmal bei hoffentlich strahlendem Himmel auf Pirsch gehen, und Zora hat ihren verdienten Rudeltag. Da die Sonne heute komplett gestreikt hat, sind die Energiereserven am Limit. Weil wir am Abend alle zusammen kochen wollen, werfe ich den bewährten Honda-Stromerzeuger von der Hebebühne an: Ein paar Stunden satter Ladestrom für unsere Aufbaubatterien, und Marcos Pickup bekommt gleich die passende Nabelschnur mit ab, damit auch drüben die Nacht über alles sicher läuft.

Und dann hält das Pantanal noch eine echte Überraschung parat: Plötzlich stehen Heidi und Norbert vor uns! Vor Jahren haben wir uns mitten in Mexiko kennengelernt – und jetzt laufen wir uns an dieser gottverlassenen Piste wieder über den Weg. Die Welt der Reisenden ist eben doch ein Dorf.

Nach dem Festmahl und einem schnellen Abwasch mit vereinten Kräften von Andrina und mir gehört der Tisch endlich den Steinen: Premiere für Mexican Train! Die beiden kennen das Spiel noch gar nicht, haben die Taktik aber verdammt schnell raus –prompt schnappt sich Andrina eiskalt die erste Runde. Es wird ein herrlich lauter Abend, an dem kräftig geflucht, gelacht und um jeden Waggon gefeilscht wird.

Draußen kühlt es derweil auf fast schon herbstliche 22 °C ab. Die Schotten bleiben dicht, und die Klimaanlage bekommt nach tagelangem Dauereinsatz endlich ihren wohlverdienten Ruhetag.

Nayru, die beste Chefredakteurin die es gibt, hat den Blog wieder in eine spannende Form gebracht.

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