27.09.2026 Ausflug zur Rangerstation und Ausfall des Außenborders

Dank unserer Klimaanlage fühlt sich das Erwachen im MANle fast schon dekadent an: draußen die brodelnde Feuchte des Pantanals, drinnen kühle, trockene 25 Grad. Um halb sieben reißt der Tag an, erst hängt der Vollmond noch wie eine silberne Münze am Himmel, keine zehn Minuten später fackelt die Sonne den Horizont in blutrotem Licht ab. Zora hat endlich kapiert, dass der brummende Ponton ihr nichts tut, und pennt tiefenentspannt weiter.

Susanne fädelt den Deal des Morgens ein: Relbert schnappt sich das Beiboot und bringt uns samt Zora rüber ans Ufer für eine überfällige Pipi-Runde. Wir preschen dem Schubverband weit voraus zu einer einsamen Ranger-Station. Ein Paradies für Zora – sie tobt wie von der Tarantel gestochen durch den Staub und findet in der Tochter der Stationsleiterin sofort eine Komplizin fürs Chaos. Die Ranger sind echte Pampa-Veteranen: sieben Mann, dauerhaft hier draußen stationiert, bewaffnet mit schnellen Booten gegen illegale Fischer, Wilderer und Holzfäller. Wer hier erwischt wird, wandert für Jahre hinter Gitter, ohne Wenn und Aber. Wir kriegen selbstgebackenen Kuchen und Kaffee vorgesetzt, mitten im Nirgendwo schmeckt Gastfreundschaft einfach zehnmal intensiver als in jedem Sternehotel.

Doch der Fluss fordert seinen Tribut. Wir werfen die Leinen los, fahren keine fünfzig Meter, und der Außenborder spuckt, stottert und stirbt mitten in der braunen Brühe ab. Da treibst du nun, ringsum lauern die Kaimane, und der Motor bleibt stumm. Zum Glück meint es die Strömung gut mit uns und schiebt uns millimetergenau zurück an den Steg der Ranger. Diagnose: Benzinschlauch im Eimer, Handpumpe tot. Zehn Minuten schrauben, Ersatzteil dran, einmal kräftig ziehen, der Motor brüllt wieder auf. Mission gerettet, Zora glücklich, zurück auf den Ponton!

Ab Mittag zeigt das Pantanal dann seine Zähne. 38 Grad im Schatten. Aber was heißt hier schon Schatten? Die Sonne steht senkrecht am Himmel und brennt erbarmungslos durch jede Ritze der Markise. Wir verlegen das Mittagessen kurzerhand nach vorn, weil wir uns die abendliche Moskito-Invasion und die ewige Schlacht um die wenigen Holzstühle schenken wollen. Reis mit Bohnen zum x-ten Mal lockt sowieso keinen Hund mehr hinterm Ofen hervor. Am Nachmittag verbarrikadieren wir uns im kühlen Innenraum des Trucks. Während draußen die Luft kocht, halten Nayru und ich im klimatisierten MANle Kriegsrat über Pisten und Worte, während die Solaranlage verlässlich die Akkus vollballert – die Lebensversicherung für die nächste Nacht. Und die beste Nachricht flattert auch noch rein: Die Zusage für unsere Jaguartour am Dienstag steht! Der Fahrplan Richtung Manaus passt wie angegossen.

Gegen Abend schmilzt man selbst beim Nichtstun dahin. Die Luft steht wie Kleister. Drüben bei Andrina wird die Lage langsam brenzlig: Die Akkus sind bedenklich weit unten, und ohne Strom droht die Notabschaltung. Da fackeln wir nicht lange. Landstromkabel aus dem Technikraum geholt, fix einen passenden Adapter für das chilenische System improvisiert und angeklemmt. Die Konstruktion ist zwar abenteuerlich, aber sie hält felsenfest. Satte Ampere marschieren rüber in ihren Camper, die Batterien erholen sich zusehends und die drohende Dunkelheit ist rechtzeitig abgewendet.

Während der Rest der Truppe wieder brav zu Reis und Bohnen pilgert, mache ich mir mein eigenes Festmahl: dunkles Vollkornbrot, herzhafter Schinken, Käse und ein eiskaltes Bier im MANle. Bei knapp 30 Grad noch warm essen? Ohne mich! Später sitzen wir noch draußen auf dem Deck, quatschen über die kommenden Pisten und lassen den Tag sacken. Draußen drückt die feuchte Tropenhitze mit 28 Grad gegen die Scheiben – wir drehen die Klima auf und schlafen wie die Könige.

Meine tolle Chefredakteurin Nayru hat unsere Erlebnisse wieder in einen perpekten Textrahmen gebracht.

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