Heute Vormittag steht die Bootsfahrt über die Lagune auf dem Programm und wir sind entsprechend früh auf den Beinen. Zora darf ja nicht mit und so möchte ich noch viel Zeit draußen mit ihr verbringen, damit sie sich etwas austoben kann, wobei mir wie immer deutlich früher die Puste ausgeht als ihr. Wir haben das Glück, dass unsere argentinischen Campingnachbarn ebenfalls eine Bootstour um 10:00 Uhr machen, sodass wir uns das Boot teilen können und die Kosten für uns um 20.000 argentinische Pesos sinken. Gemeinsam laufen wir zum Camping Municipal, wo die Touren starten, und treffen dort überraschend wieder auf Elisabeth und Karl-Heinz, die sich uns spontan anschließen. Das macht den Ausflug für uns noch schöner, weil wir uns auf Deutsch austauschen können und die beiden unglaublich viel Spannendes über Südamerika zu erzählen wissen. Auf dem Wasser haben wir riesiges Glück und erleben die volle Vielfalt, die Colonia Carlos Pellegrini und die Esteros del Iberá zu bieten haben. Auf den schwimmenden Inseln aus dichter Vegetation sonnen sich unzählige Wasserschweine völlig unbeeindruckt, während Breitschnauzenkaimane wie dunkle Felsen an der Kante zur Tiefe lauern. Zwischen den Schilfzonen entdecken wir sogar das verzweigte Bastgeweih eines prächtigen Sumpfhirsches und kurz darauf gleitet eine mächtige Gelbe Anakonda lautlos durch das dichte Grün. Dazu eröffnet sich uns eine faszinierende Vogelwelt mit eleganten Silberreihern, mächtigen Krabbenreihern, dem imposanten Maguaristorch auf seinen roten Stelzen, lautstark rufenden Chajás, der seltenen wilden Moschusente, scheuen Grauhals-Rallen und zierlichen Rotstirn-Blatthühnchen, die leichtfüßig über Seerosenblätter laufen. Unser Bootsführer steuert uns mit viel Fingerspitzengefühl und Respekt für die Natur durch dieses Labyrinth. Nach gut zwei Stunden sind wir zurück, verabschieden uns herzlich von Elisabeth und Karl-Heinz und laufen zügig zu Zora. Da das Wetter deutlich früher als vorhergesagt umschlagen soll, wollen wir die rund 130 Kilometer Erdpiste heute noch hinter uns bringen. Wir lassen den Reifendruck ab und machen uns auf den Weg. Tatsächlich erweist sich die Ruta 40 als extrem anspruchsvoll, denn tiefe, schlammige Spurrillen lassen mir nur ein schmales Band unter den Rädern, sodass ich am Steuer alle Hände voll zu tun habe, damit das MANle nicht wegrutscht. Zum Glück ist die Ruta 41 deutlich besser in Schuss und wurde offenbar erst kürzlich frisch geschottert. Als wir sogar die Planierraupe passieren, sind wir vermutlich die Ersten auf der frisch abgezogenen Trasse und können unsere Reisegeschwindigkeit von 20 km/h auf entspannte 60 km/h steigern. Da wir an der Ruta 41 übernachten wollen, halten wir Ausschau nach einem trockenen, festen Stellplatz und werden an einer Viehverladerampe fündig. Vorsorglich fragen wir bei den Gauchos nach, für die unser Bleiben überhaupt kein Problem ist. Bei 30 °C Tagestemperatur ist es herrlich warm, Mückenschutz allerdings Pflicht. Da sich vorne wieder ein Gummilager des Stabilisators aufgerieben hat, nutze ich die Zeit, tausche den Gummi aus und fette alles gründlich nach, womit auch das nervige Klackern Geschichte ist. Sehr zum Schmunzeln bringen uns die riesigen Papageienschwärme, die sich an den Futtertrögen bedienen, wo gefühlt auf 50 Rinder mindestens 500 Vögel kommen. Zora strotzt nach der Fahrt noch vor Energie und tobt ausgelassen mit einem riesigen Ast über die Wiese, bis wir auf der mobilen Induktionsplatte draußen kochen und bei Ravioli mit herzhaftem Tuco sowie einem kühlen Bier den Abend genießen. Über der weiten, einsamen Ebene geht die Sonne in leuchtendem Purpur und Gold unter, bevor die nahezu verkehrsfreie Piste unter dem warmen Licht des Vollmonds in eine absolut ruhige Nacht versinkt.































