27.08.2026 Ankunft in Puerto Iguazú

Nach einer herrlich ruhigen Nacht übernimmt eine Kuh den Weckdienst. Lautstark und aus voller Kehle ruft sie am Weidezaun nach ihrem Kalb, bis ein Gaucho Erbarmen hat, ihr das Tor öffnet und mit einem Schlag wieder Ruhe über der Pampa liegt. Da Zora angesichts des massiven Rinderaufgebots ohnehin lieber eine sehr überschaubare Morgenrunde bevorzugt, brechen wir zügig auf. Vor uns liegen rund 370 Kilometer bis nach Puerto Iguazú. Die ersten 35 Kilometer fordern uns noch einmal auf der Piste, also bleibt der Reifendruck im MANle für den welligen Schotter erst einmal abgesenkt. Die Natur verabschiedet uns gebührend: Am Pistenrand grasen entspannt Nandus im hohen Gras, und kurz darauf entdecken wir hoch oben auf einem Baumriesen einen mächtigen Jabiru, den zweitgrößten flugfähigen Vogel Südamerikas, der seelenruhig auf seinem gewaltigen Horst sitzt. Kaum haben wir bei der Einmündung auf die Ruta 12 wieder festen Asphalt unter den Stollen, stoppen wir kurz und pumpen die Reifen wieder auf Straßendruck auf. Zora spart sich das Aussteigen und döst zufrieden im kühlen Aufbau weiter. Von nun an geht es auf der schnurgeraden Ruta 12 durch die sanfte Hügellandschaft von Misiones, bis wir am späten Nachmittag Puerto Iguazú erreichen. Unser Ziel für die nächsten Tage ist das Camping Tierra Roja. Von hier aus wollen wir morgen früh zeitig mit der Beta zu den weltberühmten Cataratas del Iguazú starten. Da Nationalparks für Hunde tabu sind, war unser ursprünglicher Plan, die Klimaanlage über Landstrom durchlaufen zu lassen, damit Zora es im MANle angenehm kühl hat. Doch am Platz wartet ein absoluter Glückstreffer auf uns: Wir treffen Sabine und Peter aus Deutschland, die mit ihrem Mercedes G samt Dachzelt unterwegs sind und sich spontan bereit erklären, morgen auf Zora aufzupassen. Besser hätten wir es nicht treffen können, die Erleichterung ist riesig! Nachdem wir uns eingerichtet haben, hole ich die Beta von der Hebebühne. Nach den staubigen Pistenkilometern bekommen Moped und Fahrräder erst einmal eine wohlverdiente Dusche aus der Außendusche verpasst. Beim Startversuch streikt das Anlasserrelais, der Magnetschalter hängt wie gewohnt. Ein gezielter Schlag auf das Gehäuse löst das Problem, und der Einzylinder springt bei schweißtreibenden 30 °C sofort an. Nach einem schnellen Abendessen schnappen wir uns die Campingstühle und setzen uns für einen gemütlichen Absacker zu Sabine und Peter. Bei immer noch 28 °C stimmen die subtropischen Frösche und Kröten im Unterholz ein ohrenbetäubendes Nachtkonzert an, während vom Nachbarn dumpfe Bässe herüberdröhnen. Doch die Geräuschkulisse ebbt überraschend schnell ab. Dank Klimaanlage, angenehmen Raumtemperaturen und ein paar Ohrstöpseln finden wir alle drei, inklusive einer tiefenentspannten Zora, die verdiente Nachtruhe vor dem großen Wasserfall-Tag.

 

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