Früh sind wir auf den Beinen und starten voller Vorfreude in den Tag – die Ruhe währt allerdings nicht lange. Ein fremder Hund wagt sich zu nah an unser MANle heran, und damit ist es mit der morgendlichen Idylle schlagartig vorbei. Zora schaltet sofort auf Alarmstufe Rot und drängt mit Nachdruck nach draußen, um unmissverständlich klarzustellen, wem dieses Revier gehört. Ich folge ihr, doch als wir ins Freie treten, ergreift der Eindringling mit eingezogenem Schwanz schon das Weite. Wir nutzen den Schwung und drehen eine ausgiebige Runde, damit Zora in aller Ruhe ihre Morgentoilette erledigen kann; auf den stählernen Pontons wird dafür in den nächsten Tagen schließlich kaum noch Gelegenheit sein.
Wieder zurück, machen wir uns abfahrbereit Richtung Corumbá. Auf dem Plan stehen ein schneller Besuch am Geldautomaten für die nötigen Scheine und anschließend der Weg zum Flussanleger. Die Fahrt durch die Stadt verläuft überraschend entspannt, und ich finde direkt vor dem Friedhof einen idealen Parkplatz für unser Dickschiff. Während Susanne loszieht, um Bargeld zu besorgen und auf dem Rückweg gleich noch frisches Obst einzupacken, bereite ich alles für die letzten Meter vor. Bis zum Ablegepunkt sind es von hier aus gerade einmal 1,8 Kilometer, und lediglich auf den letzten hundert Metern müssen wir uns den Weg durch etwas herabhängendes Grünzeug bahnen.
Unten am Flussufer herrscht bereits geschäftiges Treiben. Die Bootscrew ist mit vollem Einsatz dabei, Fracht und Kähne vorzubereiten. Unser Kapitän Relbert ist schon vor Ort, begrüßt uns herzlich und erklärt uns geduldig alle wichtigen Details für die Überfahrt. Bis zum eigentlichen Verladen der Fahrzeuge bleiben uns noch gut zwei Stunden Zeit – und die vergehen wie im Flug, denn der Anleger verwandelt sich unerwartet in einen bunten Treffpunkt für Fernreisende.
Hinter uns rollt ein Kastenwagen auf den Platz, und wir trauen unseren Augen kaum: ein Karlsruher Kennzeichen mitten im Pantanal! Es sind Ines und Thomas, und sofort sind wir im vertrauten Plaudern über alte badische Heimatgeschichten vertieft. Wenig später stößt Wolfgang aus Aachen mit seiner BMW F 800 GS dazu, kurz darauf treffen Andrina und Mario aus der Schweiz ein. Den Abschluss machen schließlich Veerle und Kevin mit ihrem imposanten gelben US-Schulbus. Nun ist die bunte Reisegruppe komplett, und die Laderampe wird freigegeben.
Wir dürfen als Erste vorfahren. Um den gewaltigen Höhenunterschied zum Kahn auszugleichen, wuchtet die Crew massive Holzbalken an die Kante, die in der Mitte auf alten Stümpfen und Blöcken abgestützt werden. Relbert peilt die Spuren akribisch ein und lässt die Bohlen fest vertäuen, damit unter den schweren Reifen absolut nichts verrutschen kann. Untersetzung rein, erster Gang, und mit standgasnaher Präzision krieche ich die Hölzer empor. Im Fahrerhaus sehe ich für einen Moment nur noch den weiten blauen Himmel vor der Windschutzscheibe. Doch Relberts Handzeichen sitzen perfekt: Zentimeter für Zentimeter schiebt sich das MANle voran, und nur Augenblicke später stehen die zwölf Tonnen sicher und waagerecht auf den Planken. Ich ziehe ganz nach links rüber, um Platz zu sparen, damit Thomas seinen Sprinter noch passgenau danebenstellen kann.
Hinter uns wird es bei den anderen noch einmal spannend: Hat Thomas mit dem Sprinter keine Probleme, kämpft Kevins Schulbus mit dem steilen Anstellwinkel und der knappen Bodenfreiheit. Mit leichtem Knirschen und ein wenig Blechkontakt an den tiefen Schürzen, aber vollem Einsatz, manövriert er den Riesen schließlich neben uns. Dahinter findet Marios Pickup-Camper seinen Platz, und ganz am Ende wird Wolfgangs Motorrad sturmfest verzurrt. Das schwimmende Tetris ist geglückt – der Ponton ist randvoll, und unser Schubverband legt ab!
Direkt vor unserem Eingangsbereich am Koffer entsteht im Handumdrehen ein gemütlicher kleiner Freisitz, der von allen gerne genutzt wird. Da Veerle kaum Deutsch versteht, schalten wir ganz ungezwungen auf Englisch um, und die Gespräche kreuzen sich kreuz und quer über Pisten, Länder und Erlebnisse.
Um 19:00 Uhr ruft die Schiffsglocke zum Abendessen bei der vorderen Bordküche. Es gibt die typische Flussschiffer-Kost: Reis, Bohnen, Spaghetti und eine Portion Salat. Zwar nicht unbedingt mein Leibgericht, aber grundsolide, frisch zubereitet und verlässlich sättigend. Da es vorn im Maschinen- und Küchenbereich recht laut zugeht, ziehen wir uns bald wieder zurück vor unser MANle. Im lauen Abendwind und mit Blick auf das weite, dunkler werdende Wasser lassen wir diesen aufregenden Tag gemeinsam im Kreis der neuen Weggefährten gemütlich ausklingen.
Erstellt mit der Unterstützung der besten KI Nayru.
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