Heute früh ist es empfindlich kalt. Susanne verzichtet auf den Besuch der Thermen, sodass wir das MANle in aller Ruhe aufräumen und startklar machen können. Es ist ein besonderer Tag: Vor 36 Jahren standen wir am heutigen Datum vor dem Traualtar. Zora kehrt von ihrer Morgenrunde komplett eingesaut zurück, weshalb erst einmal eine gründliche Generalreinigung unter der Außendusche fällig ist. Ordentlich abgerubbelt verzieht sie sich sofort in ihre geliebte Transportbox und die Fahrt kann beginnen. Unser Tagesziel ist die Ruta 40 hinter Mercedes, eine Strecke von über 350 Kilometern, für die sich ein früher Start bezahlt macht. Wir kehren zurück auf die Ruta 12, die uns schnurgerade nach Norden bis Goya führt. Dort knickt die Straße nach Osten ab. Rund 40 Kilometer später, als sie wieder Richtung Norden zieht, verwandelt sich der Asphalt in eine üble Schlaglochpiste. Mehrmals müssen wir komplett stoppen und uns im Schleichgang den besten Weg zwischen den Kratern suchen. Aus dem zügigen Vorankommen wird zähe Millimeterarbeit. Die letzten zehn Kilometer vor dem großen Kreisverkehr zur Ruta 123 bieten überhaupt keinen Asphalt mehr, reine Rumpelpiste. Umso entspannter rollt es sich danach auf der Ruta 123, die sich wie ein feines, ebenes Asphaltband fast bolzengerade bis nach Mercedes zieht. Dort angekommen nutzen wir die Gelegenheit, um sämtliche Dieseltanks randvoll zu machen, denn auf der bevorstehenden Schotterpiste der Ruta 40 gibt es so schnell keine Tankstelle mehr. Hinter Mercedes beginnt die Suche nach einem Nachtlager, doch das Gelände links und rechts der Piste ist entweder eingezäunt oder steht komplett unter Wasser. Die Landschaft wird von riesigen Eukalyptusplantagen dominiert. Susanne entdeckt schließlich eine Lichtung an der Ruta Provincial 85, doch vor Ort stellt sich heraus, dass die Zufahrt seit Jahren völlig zugewuchert ist. Wir folgen der Schotterpiste weiter, um eine Wendemöglichkeit zu finden, und stoßen dabei auf eine breite, noch aktiv genutzte Waldschneise. Hier können wir das MANle perfekt abstellen und direkt in Fahrtrichtung drehen. Tagsüber ist die Piste durchaus befahren, da einige Ortschaften in der Umgebung liegen. So bekommen wir spontan Besuch von Oskar und seiner Familie, die uns herzlich einladen, die nächste Nacht bei ihnen an der Lagune zu verbringen. Ein absoluter Volltreffer: So haben wir die Chance, mit Zora auf ein Privatgrundstück direkt im Nationalpark zu fahren und die Tierwelt hautnah zu beobachten. Mit einsetzender Dämmerung erstirbt der Verkehr komplett. Bei milden 21 °C und absoluter Windstille verlagert sich das Leben nach draußen. Wir kochen und essen unter freiem Himmel. Nachdem die Milanesas, die typischen dünnen, panierten Schnitzel, verputzt sind, geht Zora ausgiebig auf Patrouille. Erst als wir uns ins Warme zurückziehen und sie rufen, kommt sie rein und rollt sich müde unter dem Tisch zusammen. Nach der langen Schaukelei am Steuer bin auch ich früh bettreif, während Susanne den Tag noch bei einem Film ausklingen lässt.















