| 180338 Kilometer ges. | 19°28`11.81“Süd | 57°02`32.22“West |
| 0l Brauchwasser | 0l Trinkwasser | 232l Diesel |
| 0l Gas / Benzin | 89m Höhe | 1013mbar |
Die Nacht ist sehr ruhig verlaufen und wir starten gut ausgeruht in den Tag. Dieser beginnt gleich mit Tierbegegnungen. Zuerst zeigt sich ein schöner Hirsch auf der Wiese neben uns, der von einem der großen Jabiru-Störche abgelöst wird. Ich gehe mit Zora raus, um ein Auge auf sie und die Umgebung zu werfen. Hier ist alles mit etwas mehr Vorsicht zu genießen.
Bevor wir die restlichen Pistenkilometer hinter uns lassen, schraube ich den Reifendruck wieder auf Asphaltniveau hoch. Auf festem Teer schnurrt das MANle gleich ganz anders. Wir steuern den nächsten Supermarkt an, um uns mit frischem Obst, Gemüse und knackigen Vorräten einzudecken, füllen die Tanks mit 232 Litern Diesel randvoll und nehmen Kurs auf Corumbá. Unser Ziel: die legendäre Estrada Parque Pantanal.
Schon beim Einbiegen auf die Piste wird klar, dass wir hier in einer völlig anderen Welt gelandet sind. Statt einsamer Dschungelpiste herrscht hier reger Betrieb: Zweistöckige Boiadeiros, schwere Viehtransporter, vollgepackt mit Rindern, donnern im gefühlten Fünf-Minuten-Takt über die Trasse. Das Grollen der Motoren und das laute Scheppern der Aufbauten hallt weit über das flache Land. Doch das Spektakel hat einen unschlagbaren Vorteil für uns: Wenn diese 40-Tonnen-Monster problemlos über die Piste pflügen, lacht unser 12-Tonnen-MANle über die Traglasten nur. Die ersten Holzbrücken sind überraschend gut in Schuss, massiv gebaut und deutlich breiter als auf der MS-419. Wo das Wasser in den Furten niedrig steht, wählen wir trotzdem die Umfahrung durchs Flussbett, das schont das Material und macht einfach Laune.
Was uns links und rechts der Fahrbahn erwartet, gleicht einer endlosen Naturdokumentation. Der absolute Höhepunkt: Ein prächtiger Hyazinth-Ara, der seelenruhig auf einem Zaunpfahl direkt neben der Piste posiert. Sein tiefes Kobaltblau und das leuchtende Gelb um Schnabel und Augen strahlen regelrecht in der Sonne. Kurz darauf begegnen wir einem stattlichen Sumpfhirschbock mit mächtigem Geweih, der unbeeindruckt an Palmwedeln knabbert, während im nächsten Wasserloch eine ganze Kolonie Nimmersatt-Störche im Geäst hockt. Nur wenige Meter weiter durchbricht eine feine Welle die trübe Wasseroberfläche: Ein Kaiman liegt regungslos auf der Lauer, nur die Augen und die Schnauzenspitze schauen heraus – ein mahnender Blick, der klarstellt, warum Zora an der kurzen Leine bleibt. Als uns dann noch ein einheimischer Vaquero hoch zu Ross mit einer ganzen Herde aus Pferden und Maultieren auf der Piste entgegenkommt, ist das Pantanal-Klischee perfekt.
Am Rio Miranda legen wir einen Zwischenstopp ein und blicken von oben auf die träge dahinfließende braune Lebensader, an deren Ufern bunte Hausboote vertäut liegen. Am späten Nachmittag biegen wir schließlich von der Hauptpiste ab. Rund 100 Meter abseits, direkt an einem Weidezaun vor einer Gruppe markanter Bäume, finden wir unseren perfekten Übernachtungsplatz. Aus der Vogelperspektive der Drohne sieht man die Weite der Savanne erst richtig: Das MANle steht wie ein unverwüstlicher Fels in diesem Ozean aus Grün.
Kaum steht der Wagen, werfe ich einen Blick auf unsere neu gebaute Filterbox. Das Filterelement ist tiefbraun gesättigt vom feinen, aggressiven Pistenstaub, doch ein Blick in den Technikraum zaubert mir ein breites Grinsen ins Gesicht: Kein einziges Staubkorn, alles blitzblank! Die Bewährungsprobe ist mit Bravour bestanden, die Eigenbau-Konstruktion hat sich bezahlt gemacht.
Vor der Kabine rollen wir den Teppich aus und bauen Tisch und Stühle auf. In der Pfanne brutzeln zarte Fleischstücke mit reichlich Zwiebeln, dazu gibt es goldbraune Krokettenbällchen und frischen Salat. Ein echtes Festmahl nach diesem langen Fahrtag! Während sich der Himmel über den Baumkronen in ein feuriges Meer aus Orange, Purpur und tiefem Nachtblau verwandelt, fordern die geflügelten Pantanal-Plagegeister ihren Tribut. Doch hinter den dichten Fliegengittern im kühlen Koffer sitzen wir sicher. Bei angenehmen 18 °C lassen wir den Tag am Fensterplatz ausklingen, lauschen dem fernen Grollen der Viehlaster und freuen uns auf das morgige Brückenabenteuer.
Mit an Bord und im Blog-Team: KI Nayru
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