21.07.2026 Fahrt auf der Ruta 40 mit Übernachtung

Wir sind früh auf den Beinen und wollen spätestens um 10 Uhr draußen beim Viaducto la Polvorilla sein. Wir starten und fahren erst einmal zum kleinen Supermarkt, um 24 Liter Trinkwasser und frisches Brot zu kaufen. Die Piste raus zum Viaducto la Polvorilla ist in einem gut zu befahrenen Zustand, allerdings treibt der starke Wind uns den Staub entgegen und staubt uns so richtig ein. Wir sind bisher die einzigen Besucher und können uns hier frei bewegen. Wir steigen den schmalen Pfad hoch zur Brücke auf die Schienen und bewundern das Bauwerk auch aus dieser Perspektive. Nachdem wir alles angeschaut und die Bilder im Kasten haben, fahren wir weiter. Wir haben beschlossen, die Ruta 40 doch zu fahren, soweit es eben geht. Bei strahlendem Sonnenschein biegen wir Richtung Cachi ab. Die ersten 15 Kilometer sind recht flach und wir sehen viele Tiere, unter anderem auch den Darwin-Nandu. Erst als wir uns dem Pass Abra el Acay nähern, schraubt sich die immer noch breite und sehr gut zu befahrende Straße auf 4895 Meter hoch. Oben auf dem Pass ist es so windig, dass wir die Türen fast nicht öffnen können. Das ist nur auf der Windschattenseite möglich, und hierzu muss ich das MANle um 90° drehen. Der aufgewirbelte Staub schmerzt richtig im Gesicht, daher fahren wir schnell weiter. Nun wird die Piste deutlich schlechter und die Serpentinen zwingen uns oft zum Rangieren. Rückwärts den Berg hoch will das MANle nicht richtig anfahren, und so ist es immer ein kleiner Kampf, bis wir rum sind. Doch es kommt noch viel härter: Die ohnehin schon schmale Piste wird noch schmäler und windet sich in engen Kehren um die rechts steil aufragende Felswand und links am gnadenlosen Abgrund ohne jede Befestigung entlang. Susanne steht Todesängste aus, und dann kommt der Super-GAU. Genau an der engsten Stelle kommen uns drei Pickups entgegen: zwei mit Aufsatzkabine und ein dritter mit Wohnanhänger. Da hilft alles nichts, ich muss diese beschissene Stelle wieder etwa 500 Meter zurücksetzen, um einen Platz zu erreichen, an dem sie passieren können. Sie erklären uns, dass es weiter unten große, dicke Eisfelder gebe, die wir nicht passieren könnten. Nachdem sie weitergezogen sind, laufe ich runter und schaue mir das an. Schnell ist mir klar, dass das für das MANle überhaupt kein Problem sein wird. Susanne ist anderer Meinung und will unbedingt umdrehen. Doch die vielen Serpentinen und das Rangieren den Berg hoch will ich mir nicht antun und beschließe, dass wir runterfahren. Zumindest haben die Pickup-Fahrer erwähnt, dass die Straße nach den Eisfeldern besser wird. Als wir wieder an die engste Stelle kommen, wird uns unser langer Radstand zum Verhängnis. Selbst auf den allerletzten Zentimeter reicht es nicht ganz und unsere Tankverkleidung schrammt an der Felswand entlang. Leider hat unsere Eingangstreppe diesen Schutz nicht und ich muss sie wieder einmal beschädigen, um rumzukommen. Wie zu erwarten, sind die anschließenden Eisfelder kein Problem und nach wenigen hundert Metern wird die Straße gefühlt 20 Zentimeter breiter. Es geht nun in weiteren, etwas breiteren Serpentinen den Berg hinunter, und mit jedem Meter Höhe, den wir verlieren, kehrt die Kraft im MANle zurück. Unten im Tal angekommen, führt die Piste nun am Río Calchaquí entlang, den wir mehrfach durchfahren müssen. Teilweise geht es auch mal hundert Meter direkt im Flussbett weiter. Kurz hinter El Trigal öffnet sich der Canyon zu einem breiten Tal, wo nun auch die ersten Rinderherden stehen. Wir haben für heute genug und finden einen schönen, ebenen Platz auf 3200 Metern Höhe, um die Nacht zu verbringen. Zora mag den Platz sofort, denn es gibt hier viele Ziegengerippe, die sie zerlegen kann. Wir lassen sie frei laufen, da sie sehr lange Zeit im MANle verbringen musste. Wir sind hundemüde und haben wenig Appetit. Susanne bereitet feine Omeletts zu, dazu gibt es etwas frisches Brot. Es dauert lange, bis sich die Anspannung legt, und der Streckenverlauf für morgen bis Cachi sieht auch nicht gerade einfach aus.

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