| 176768 Kilometer ges. | 31°11`17.87“Süd | 60°07`50.29“West |
| 0l Brauchwasser | 0l Trinkwasser | 0l Diesel |
| 0l Benzin | 89m Höhe | 1023mbar |
Die ganze Nacht über hat der Regen unerbittlich auf unser Dach getrommelt. Entsprechend verwandelt präsentieren sich die Wege am Morgen: eine tief aufgeweichte Masse, die jeder Schlammpackung in einem Luxus-Kurbad Konkurrenz machen würde. Darauf verzichten wir dann aber doch dankend, denn dieser klebrige Lehm haftet bekanntlich an allem wie Pattex. Also biege ich mit Zora lieber direkt in die saftigen Wiesen ab. Das Ergebnis sind zwar pitschnasse, aber immerhin herrlich saubere Füße und Pfoten. Bevor wir starten, steht noch etwas Feinschliff auf dem Dach an. Gestern hat uns ein tief hängender Ast ein Halteseil unseres Starlink-Mounts abgerissen. Ich ersetze es kurzerhand durch einen flachen Spanngurt – superstabil, absolut reißfest und trägt kaum auf. Noch schnell die restlichen Äste und Blätter vom Koffer gefegt, damit wir unterwegs keine botanische Spur hinterlassen, während Susanne im MANle für seefeste Ordnung sorgt. Dann nehmen wir die letzten 220 Kilometer unter die Räder. Über die Ruta 17 steuern wir Sunchales an und biegen dort auf die bolzengerade Ruta 62 ab, die uns schnurstracks gen Osten nach Cayastá führt. Je weiter wir vorankommen, desto mehr verwandelt sich die Landschaft in eine einzige Wasserwelt. Weite Flächen stehen komplett blank, die Rinder waten teilweise knietief durch die neu entstandenen Seen und an Weidewirtschaft ist vielerorts gar nicht zu denken. Ein echter Glücksfall, dass die Ruta 62 dammartig erhöht angelegt wurde, so rollen wir auf absolut trockener Piste dahin. Unser MANle schnurrt dabei wie ein Kätzchen und begnügt sich mit gerade einmal 20 Litern auf 100 Kilometern. In Cayastá angekommen, folgt erst einmal ein kleiner Dämpfer: Abseits der geteerten Hauptachse sind die Seitenstraßen extrem aufgewühlt und schlammig. Wir halten kurz bei der örtlichen Polizei, um die Lage zu peilen. Trotz stattlicher Verbotsschilder an den Zufahrten geben uns die Beamten nach einem kurzen Blick auf unser Gefährt gut gelaunt grünes Licht für die Uferwege. Also eiern wir die gut drei Kilometer hinaus zum Camping Punta Arena. Das Areal liegt glücklicherweise etwas höher. Die Zufahrten fordern uns zwar noch etwas Schlamm-Slalom ab, aber die weitläufigen Wiesenflächen sind bereits erstaunlich gut abgetrocknet. Zusammen mit einem Mitarbeiter des Platzes erkunden wir zu Fuß die Lage direkt am Ufer. Er zeigt uns ein paar erstklassige Ecken und hat absolut nichts dagegen, als wir zur Astschere greifen, um uns den Weg freizuschneiden, ganz im Gegenteil, der Grünschnitt ist hier sogar herzlich willkommen. Zentimeterweise zirkeln wir das MANle zwischen den alten, mächtigen Bäumen hindurch ganz nach vorne an die Kante. Der Aufwand wird sofort belohnt: Wir stehen in der ersten Reihe und blicken direkt auf den mächtigen, sanft strömenden San Javier River. Für Zora ist das hier das absolute Paradies auf Erden. Weit und breit keine Menschenseele, endlose Grasflächen zum Toben und das seichte Flussufer lädt zu ausgiebigen Schlammbädern ein. Die gefiederten Einheimischen sind an Camper gewöhnt und zeigen keinerlei Berührungsängste, immer in der Hoffnung, einen Happen vom Tisch zu stibitzen. Allerdings haben sie die Rechnung ohne unsere vierbeinige Platzinspektorin gemacht, die ihr Revier pflichtbewusst und mit vollem Einsatz verteidigt. Am späten Nachmittag reißt der Himmel vollends auf und taucht die Szenerie in ein warmes, goldenes Licht. Der Wind schläft komplett ein und wir verlegen das Leben kurzerhand nach draußen, wo wir unter der strahlenden Nachmittagssonne den Kochlöffel schwingen. Beim Sonnenuntergang brennt der Himmel schließlich in allen erdenklichen Rottönen und spiegelt sich spektakulär auf der glatten Wasseroberfläche wider. Kaum ist das Schauspiel vorbei, zieht spürbare Frische auf. Wir verziehen uns in die gemütliche Wohnkabine, wo die Heizung für wohlige 22 Grad sorgt. Zora, völlig platt von ihren Patrouillengängen gegen die Vogelwelt, rollt sich direkt unter dem Tisch zusammen und schläft tief und fest ein. Bevor auch wir die Betten entern, ziehe ich noch eine kurze Runde über den Platz: Die grellen Flutlicht-Scheinwerfer lassen sich glücklicherweise manuell ausschalten. Mit einem Klick herrscht absolute, friedliche Dunkelheit über dem Fluss – beste Voraussetzungen für eine herrlich ungestörte Nacht.

















