19.09.2026 Aras, Fazenda Iguassu, viele Tiere und baden im Fluss

179620 Kilometer ges. 21°01`34.40“Süd 56°36`556.36“West
0l Brauchwasser 0l Trinkwasser 0l Diesel
0l Gas / Benzin 238m Höhe 1019mbar

Der Tag startet völlig unerwartet mit prasselndem Regen und wirft unsere Pläne erst einmal gehörig durcheinander. Eigentlich wollen wir zum Buraco das Araras, doch das Wetter zeigt uns die kalte Schulter. Trübsal blasen gilt nicht, wir beschließen kurzerhand, die Zwangspause sinnvoll zu nutzen und den defekten Reifen endlich auszutauschen. Als Werkstatt unter freiem Himmel wählen wir den Wendehammer am Balneário Seu Assis: kein Durchgangsverkehr, asphaltiert und bolzengerade. Als der Regen kurz nachlässt, nutze ich das Zeitfenster, um den neuen Continental aus der Dachbox zu wuchten. Susanne kurbelt derweil die Markise aus, damit wir im Trockenen schrauben können. Schnell ist das defekte Ersatzrad demontiert, die zweiteilige Felge zerlegt und der alte Mantel beiseitegeschafft. Aus der letzten Reifenmontage haben wir gelernt. Wir wissen genau, wie widerspenstig der Conti auf der Felge spannt. Kurzerhand schneiden wir den schrägen Wulst um etwa 2 mm nach, so rutscht der Mantel williger auf die Felge und der Felgenring lässt sich später deutlich leichter einpressen. Der Schnitt sitzt, der Beadlock-Ring ist im Handumdrehen eingesetzt. Unsere O-Ringe hatten wir vorher schon leicht vorgespannt, wodurch sie jetzt perfekt in der Nut liegen bleiben und nicht mehr herausspringen.

Dank unseres maßgefertigten Montierholzes liegt das Rad leicht erhöht, sodass sich der Felgenring sauber ansetzen lässt. Um die Bolzen so weit durchzudrücken, dass die Gewinde greifen, reicht bloße Handkraft natürlich nicht aus. Aber wozu hat man schließlich schweres Gerät dabei? Unsere hydraulische Hebebühne am Heck wird kurzerhand zur Presse umfunktioniert. Wir schieben das Rad millimetergenau darunter und drücken den Ring mit viel Gefühl nach unten. Sobald die Stehbolzen greifen, drehe ich sofort die Muttern drauf. An allen vier Seiten arbeiten wir mit den verlängerten Führungsbolzen als Montagehilfe. Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie gleichmäßig und sauber der Ring hineingleitet. Der O-Ring bleibt bei dieser sanften Prozedur exakt an Ort und Stelle. Ohne rohe Gewalt und absolut materialschonend ist die Felge dicht.

   

 

Nachdem der Reifen auf 8 Bar aufgepumpt und der korrekte Sitz des Wulstes penibel kontrolliert ist, wandert das Rad nach vorne links. Unser MANle steht an der Vorderachse nun auf zwei nagelneuen Conti MPT 81. Auf der Hinterachse laufen bewährte Goodyear ORD mit gerade einmal 4.000 Kilometern auf dem Buckel. Der abmontierte Goodyear hat noch gut einen Zentimeter Profil und übernimmt ab sofort die Rolle des treuen Ersatzrads. Wir sind wieder bestens gerüstet für die Piste.

 

Inzwischen hat der Himmel ein Einsehen: Der Regen verzieht sich, und zwischen den Wolken blinzelt die Sonne durch. Also nichts wie zurück zum Buraco das Araras! Wir haben Glück und sind die einzigen Besucher weit und breit. Zusammen mit unserem Guide laufen wir die rund 500 Meter durch den dichten Wald bis zur Abbruchkante der gewaltigen Doline. Im ersten Moment macht sich kurz Ernüchterung breit, kein einziger Ara zu sehen. Doch das ist die typische Ruhe vor dem Sturm. Nach wenigen Minuten bricht das Spektakel los: Immer mehr der leuchtend roten Vögel steigen aus der Tiefe empor und ziehen kreischend ihre Bahnen über den Felswänden. Meine Sony RX10 läuft auf Hochtouren. Meine tolle KI Nayru hatte mir vorab die perfekten Einstellungen für die Sony RX10 mit auf den Weg gegeben, damit Schärfe, Belichtung und schnelle Flugmanöver auf den Punkt sitzen – und die Bilder sind einfach toll geworden. Doch nicht nur die Aras geben sich die Ehre, auch Tukane, Seriemas und andere gefiederte Bewohner lassen sich blicken. Die Kamera kommt zwei Stunden lang kaum zur Ruhe.

                 

Gegen Nachmittag rollen wir weiter auf der MS-178 gen Norden. Ursprünglich stand eine Übernachtung direkt in Bonito auf dem Zettel, samt einer dieser berühmten Flusssafaris. Doch als wir den massiven Touristentrubel und die durchkommerzialisierte Szenerie sehen, drehen wir ab. Das ist nicht unsere Welt. Wir entscheiden uns spontan für die Fazenda Iguassu und landen einen absoluten Volltreffer. Der Platz ist ein Paradies für uns. Überall wuselt das Leben, und für Zora ist es das reinste Schlaraffenland: Ein kleiner, klarer Bach plätschert direkt an unserem Stellplatz vorbei, überall schnattern Enten, Echsen huschen durch das Unterholz und bunte Vögel flattern durch die Kronen. Zora inspiziert mit wackelnder Rute jeden Busch und jedes Büschel Gras in ihrem neuen Revier.

Wir parken direkt neben der offenen Außenküche, die Fazenda-Besitzer Marc genial eingerichtet hat. Das Abendessen bereiten wir kurzerhand dort zu; nur unsere Heißluftfritteuse surrt drüben am MANle. Als die Dämmerung hereinbricht, sitzen wir noch stundenlang draußen unter dem Sternenhimmel und lauschen dem Rufen und Zirpen des nächtlichen Dschungels. Zora dreht ihre letzten Kontrollrunden über das Gelände und tapert erst zu uns, als wir endgültig die Stufen zum MANle hochsteigen.

Die Entscheidung fällt einstimmig: Wir hängen hier noch einen Tag dran. Sämtliche Hektik bleibt vor dem Weidetor – morgen wird erst einmal ganz in Ruhe im eiskalten Fluss gebadet.

Mit an Bord und im Blog-Team: KI Nayru

   

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