Durch die Zeitumstellung sind wir gut eine Stunde früher auf den Beinen und direkt auf der Piste. Wir wollen nicht die großen Asphaltstraßen außen herum nehmen, sondern uns über die Ruta 270 quer durchs Land schlagen. Das spart uns gut 60 Kilometer Asphalt und bringt uns viel näher an die Natur heran. Die Piste ist staubtrocken und wird prompt zur knallharten Bewährungsprobe für unseren neu gebauten Filter. Um etwas komfortabler zu rollen, lassen wir erst mal Luft aus den Reifen, bevor wir die rund 60 Kilometer Staubpiste in Angriff nehmen. Bis auf wenige schmale Passagen lässt sich die Strecke hervorragend fahren, und auch die kleinen Holzbrücken sind mit 15 Tonnen Traglast absolut kein Hindernis für unser MANle. Wir kommen zügig voran und erreichen schließlich die gut ausgebaute Ruta 60 in Richtung Jardim. Der Reifendruck wird wieder auf Straßenniveau angehoben, und ein erster Kontrollblick zaubert mir ein fettes Grinsen ins Gesicht: Der neue Filter hat ganze Arbeit geleistet, der Technikraum ist trotz der roten Staubwolken hinter uns komplett staubfrei geblieben! Ein voller Erfolg für den Eigenbau. Der Truck schnurrt entspannt über den Asphalt, bis uns ein lauter Knall, gefolgt von einem nur allzu vertrauten Zischen, jäh aus der Idylle reißt. Der ohnehin schon gezeichnete rechte Vorderreifen hat einen sechs Zentimeter langen, tiefen Schnitt abbekommen, aus dem die Luft zügig entweicht. Ich ziehe den Wagen geistesgegenwärtig in eine Hofeinfahrt, um aus der Gefahrenzone zu sein. Bei sengenden 34 Grad im Schatten, von dem auf dem heißen Teer natürlich jede Spur fehlt, wird der Radwechsel zur schweißtreibenden Schwerstarbeit. Wir wuchten das schwere Reserverad unter dem LKW hervor, packen routiniert an und haben nach gerade einmal 40 Minuten die Fuhre wieder fahrbereit. Da der alte Pneu endgültig hinüber ist, werde ich in Bonito auch den zweiten Conti auf die Vorderachse montieren. Bei zwei geplanten Ruhetagen vor Ort lässt sich das deutlich entspannter erledigen als jetzt in der prallen Mittagshitze. Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir unser Tagesziel: das Balneário Seu Assis. Auch hier haben wir das weitläufige, liebevoll angelegte Areal fast für uns allein. Fast, denn eine Horde Kapuzineraffen hat uns sofort im Visier. Zora fackelt nicht lange und scheucht das freche Volk lautstark in die Baumkronen. Die Affen protestieren wütend und fletschend aus den Wipfeln, doch Zora stellt unmissverständlich klar, wer hier auf dem Platz das Sagen hat. Zwei einheimische Streunerhunde, die sich neugierig dazugesellen, akzeptieren die neue Chefin klaglos. Später sichert sich unsere Jägerin sogar den bunten Kletterturm des Spielplatzes als persönlichen Hochsitz, um von dort oben stolz ihr neues Reich zu überblicken. Danach gibt es kein Halten mehr: Wir laufen hinunter zum Fluss, der sich an einer weiten Biegung zu einem herrlich breiten, natürlichen Becken staut. Das Wasser ist glasklar, smaragdgrün und wunderbar erfrischend. Da weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist, fliegen die Klamotten direkt ins Gras – im Adamskostüm ins kühle Nass einzutauchen, ist nach der Reifenschlacht auf dem Asphalt die pure Erlösung und das ultimative Freiheitsgefühl. Auch Zora ist völlig in ihrem Element. Ein etwa 20 Zentimeter unter der Wasseroberfläche liegender Holzsteg ist für sie wie maßgeschneidert: Hier kann sie sicher bis zum Bauch im Wasser stehen, ohne den Halt zu verlieren. Der anschließende Uferpfad entpuppt sich als wahres Schnüffelparadies; es gibt so unendlich viel zu entdecken, dass sie für uns erst mal überhaupt keine Zeit mehr hat. Nach dem erfrischenden Bad machen wir es uns vor dem MANle gemütlich und genießen die tiefe Ruhe des Ortes. Susanne bucht online die morgendliche Frühtour zu den Aras für 07:40 Uhr, was bedeutet, dass der Wecker morgen zeitig klingeln wird. Vor dem Abendessen zieht es uns noch ein zweites Mal ins kühle Nass, und natürlich ist Zora wieder voller Eifer mit von der Partie. Die früh einsetzende Dunkelheit erwischt uns etwas unvorbereitet, reicht aber noch bestens aus, um die Außenküche anzuwerfen. Die tropischen Plagegeister lassen nicht lange auf sich warten, doch unsere Räucherstäbchen halten die Quälgeister erstaunlich gut in Schach. Einer der beiden Streuner will gar nicht mehr von unserer Seite weichen und leistet uns treu Gesellschaft, bis wir uns ins Innere des MANle zurückziehen. Bei noch immer 26 °C Außentemperatur lassen wir Tür und Fenster weit offen stehen. Mit der reinen Lüftungsfunktion unserer Dieselheizung und zwei mobilen Zusatzlüftern bekommen wir die Stauhitze effektiv aus dem Koffer geblasen, sodass es sich auch ohne energiehungrige Klimaanlage angenehm aushalten lässt. Zora stromert derweil mit ihrem neuen Kumpel über das dunkle Gelände. Erst spät kehrt sie müde zurück und rollt sich drinnen ein, während es sich ihr vierbeiniger Beschützer direkt unten zwischen den grobstolligen Reifen des MANle bequem macht. Da die Tür zum Lüften offen bleibt, könnte Zora theoretisch jederzeit wieder losziehen. Erst als uns die Augen zufallen, klemmen wir vorsichtshalber ein Polster in den Einstieg, nächtliche Streifzüge im Busch müssen schließlich nicht sein.
































