16.09.2026 Kurswechsel nach Norden: Durch Baustellenstaub zur weißen Lagune

179078 Kilometer ges. 23°48`51.65“Süd 56°16`57.54“West
280l Brauchwasser 40l Trinkwasser 0l Diesel
0l Gas /Benzin 207m Höhe 1010mbar

Endlich liegt wieder dieser unverwechselbare Geruch von Aufbruch in der Luft. Bevor der MANle den ersten Meter rollt, drehe ich mit Zora noch eine ausgiebige Runde durchs Grüne, sie weiß genau, was ihr blüht, und sammelt schon mal Energie für die Stunden in ihrer Fahrerbox. Draußen wird der Teppich ein letztes Mal gründlich ausgeklopft, das Stromkabel aufgerollt und die Markise sicher verstaut, während Susanne drinnen mit geübten Handgriffen alles absolut pistentauglich verzurrt. Ein herzlicher Abschied von Astrid, Chris und dem kleinen Frechdachs Locki, dem Affen, dann brummt der Motor auf. Wir rollen vom Campground, die Reise geht weiter. Statt die breiten, monotonen Schnellstraßen zu wählen, fädeln wir uns auf die Ruta D018 und D036 ein. Die Strecken sind zwar schmaler, aber durchgehend asphaltiert und herrlich ruhig. An einem der typischen kleinen Tante-Emma-Läden am Straßenrand besorgen wir Nachschub: Wir kaufen die großen Wasserflaschen, füllen das Trinkwasser direkt vor Ort mit geübten Handgriffen in unseren separaten 70-Liter-Trinkwassertank um und geben das Leergut gleich wieder zurück, praktisch, unkompliziert und der Vorrat ist wieder voll. Als wir schließlich auf die PY03, die Ruta Nacional General Aquino, einbiegen, ist es mit der Beschaulichkeit erst einmal vorbei. Schwerer LKW-Verkehr walzt über den Asphalt, und etliche Baustellen zwingen uns immer wieder zu längeren Zwangspausen im Hitzeflimmern. Doch Hektik kennen wir nicht. Unser Tagesziel steht fest: die Laguna Blanca. In Santa Rosa del Aguaray biegen wir auf die PY11 ab. Nach rund dreißig entspannten Kilometern erreichen wir das Nest Santa Bárbara, wo der Asphalt schlagartig endet. Nun übernimmt die typische Sandpiste die Regie. Vier Kilometer lang wirbeln unsere Reifen feinen Staub auf, bis sich plötzlich eine Oase vor uns auftut: die Laguna Blanca. Eine blitzsaubere, wunderschön angelegte Anlage empfängt uns, und das Beste daran: Wir sind die allerersten und einzigen Gäste auf dem Platz. Als wir hören, dass Zora trotz der gepflegten Anlage frei mit hinein darf, schlucken wir den recht saftigen Eintritt von 120.000 PYG ohne langes Murren herunter. Und Zora dankt es uns auf ihre ganz eigene Art. Nach den vielen Tagen mit strenger Leinenpflicht brennen bei unserer Dame sämtliche Sicherungen durch. Sobald die Pfoten den Sand berühren, gibt es kein Halten mehr: Mit fliegenden Ohren und Vollgas jagt sie wie ein Pfeil den gesamten weißen Strand entlang, pflügt durch die Kurven und wirft sich mit lautem Klatschen mitten in die glasklaren Fluten. Susanne fackelt nicht lange und springt hinterher ins Wasser, um die Erfrischung voll auszukosten. Für mich bleibt das kühle Nass heute tabu, ich greife mir stattdessen die Kamera und schicke die Drohne in den Himmel, um diese fast surreale Weite aus Wasser, Sand und unserem einsam stehenden Truck festzuhalten. Nachdem alle Bilder im Kasten sind, übernimmt der Küchenchef das Kommando. Heute gibt es Spaghetti Bolognese, aber selbstredend ohne Fertigkram: Jede Zwiebel, jede Karotte und jedes Stück Fleisch wird frisch von Hand geschnippelt. Um alles perfekt auf den Punkt zu bringen, wird zweigleisig gekocht: Während das Nudelwasser auf dem Induktionskochfeld in Rekordzeit blubbert, zieht die reichhaltige Soße draußen auf unserem kleinen Gasgrill fertig und entfaltet ihr volles Aroma. Frischer Blattsalat dazu, eine großzügige Schicht frisch geriebener Parmesan über die Pasta, draußen auf Reisen schmeckt echte Handarbeit einfach unschlagbar. Selbst nach Sonnenuntergang hält sich das Thermometer beharrlich bei lauen 24 Grad. Die gefürchteten Plagegeister haben pünktlich zur Dunkelheit Feierabend gemacht, sodass wir noch lange bei flackerndem Kerzenlicht vor dem MANle sitzen und die fast greifbare Stille der Lagune in uns aufsaugen. Einzig Zora hat noch Schichtdienst: Wachsam wie ein Luchs patrouilliert, sie um die Bäume und sorgt mit kurzen, entschlossenen Sprints dafür, dass die ansässigen Hofkatzen brav in den Ästen ausharren. Noch sind die Samtpfoten klein und flink, aber Zora verpasst nicht die kleinste Bewegung. Vollkommen zufrieden, satt und mit dem Kopf voller neuer Eindrücke schlüpfen wir spät am Abend in den MANle und fallen kurz darauf in einen tiefen, wohlverdienten Schlaf.

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