Der Tag beginnt nicht am Schraubstock, sondern mitten im Leben: Zora und ich im absoluten Tobemodus bei der frühen Gassirunde. Wer von uns am Ende dreckiger war, Zora nach dem Dickicht oder ich in einer Arbeitshose, die vor lauter Werkstattgeschichte mittlerweile auch ohne Beine drin stehen bliebe, darüber lässt sich streiten. Eine ausgiebige Bürst-Session später ist die Vierbeinerin wieder salonfähig, und drüben in der Werkstatt geht bei Chris das Licht an. Es gibt Reparaturen, die man einfach wegarbeitet, und es gibt Momente, in denen man komplett im Material versinkt. Handschuhe kann ich dabei nicht gebrauchen; ich muss den Grat, die Kanten und die Wärme des Stahls direkt spüren, sonst fehlt mir das Feingefühl. Chris brät die gekanteten Bleche für die Filterbox routiniert zusammen und verschleift die Punkte. Drüben am MANle schleife ich die Box ab, trage den Lack auf und ziehe die Sikaflex-Nähte, bis alles absolut staubdicht sitzt. Als die Box schließlich unter der Ansaugöffnung montiert und zur Kabine hin versiegelt ist, weiß ich: Das hält für die Ewigkeit und der Filter lässt sich künftig mit einem Handgriff wechseln. Dann geht es dem Technikraum an den Kragen. Wer einmal erlebt hat, wie dieser feine, unbarmherzige Pistenstaub in jede Ritze kriecht, weiß, dass man hier keine halben Sachen machen darf. Ich räume alles komplett leer. Jedes Kabel, jedes Einbauteil wird feucht abgewischt, fast mit einer inneren Andacht, bis wirklich kein einziges Staubkorn mehr übrig ist. Als alles wieder an seinem Platz sitzt und die neue Box mit dem großen halben MAN-Filter frei atmen darf, passiert das Schönste: Der Lüfter regelt spürbar herunter, die Temperatur sinkt zügig unter 30 Grad. Es ist, als würde unsere rollende Festung einmal ganz tief und erleichtert aufatmen. Weil drüben die Ständerbohrmaschine gerade lacht, machen Chris und ich gleich noch Nägel mit Köpfen: Der fünfte Protektor für das Ventil des Reserverads wird gebaut. Chris bohrt und schleift, ich feile das Teil millimetergenau ein und lackiere es. Ein Punkt weniger, der mir schon lange im Magen lag, sollte uns da draußen ein Reifen um die Ohren fliegen, sitzt der Schutz schon da, wo er hingehört. Am Nachmittag braucht der Kopf frische Luft. Eine lange Wanderung am Fluss entlang gehört ganz Zora, die ohne Leine frei durchs Unterholz stöbert und das pure Hundeglück lebt. Als die Dämmerung über den Platz kriecht, hat unsere Outdoor-Küche ihren großen Auftritt: frisches Gemüse aus dem Ofen, knusprige Heißluft-Pommes und Thüringer Bratwürste auf dem Induktionsfeld. Fast wie im Schlaraffenland. Mit einem eiskalten Munich in der Hand sitzen wir noch lange draußen in der lauen Abendluft. Die schwarzen Flecken der Dichtmasse an meinen Händen lachen zwar über jede Seife, aber sie sind die ehrlichste Trophäe eines gelungenen Tages. Morgen um 13:30 Uhr noch die Krone in der Zahnklinik einsetzen lassen, dann sind wir und das MANle von Grund auf gerüstet für die Pisten Richtung Brasilien. Ein tiefer, innerer Friede nach getaner Arbeit, besser geht es nicht.

























