Nach einem tollen Sonnenaufgang bin ich mit Zora raus, um eine Runde zu laufen. Mit über 12°C Außentemperatur ist es heute früh deutlich wärmer als gestern. Susanne geht es wieder deutlich besser und so haben wir beschlossen unseren Weg über den Lago Chungará weiter zur Abzweigung der A-95 zu fahren. Willig springt das MANle an und nach eine kurzen Warmlaufphase rollen wir los. Es geht nach wenigen Metern steil hoch und da lasse ich das MANle mit niederer Drehzahl langsam hochlaufen, bis es Betriebstemperatur hat. Noch immer haben wir einen stahlblauen Himmel und wir können uns an der Natur nicht satt sehen. Es gibt Momente auf einer Weltreise, die lassen sich nicht in Kilometern messen. Immer wieder ist der Anblick des Lago Chungará und dem dahinter aufragendem Vulkan Parinacota einfach unbeschreiblich. Wir passieren den See und auch die obligatorische Wiegestation und biegen auf die A-95 Ruta Andia ab. Diese, mit unserem MANle gut zu befahrende Piste bringt uns weit hinein in das Altiplano mit seinen endlosen Weiten. Wir stoppen bei den Tremas Chirigualla. Hier in einem kleinen Häuschen fließt heißes Wasser in ein Becken und man kann sich in ca. 38°C heißen Wasser eintauchen. Doch das lassen wir mal lieber bleiben und fahren weiter. Wir lassen die Drohne steigen um unsere Fahrt hier etwas aufzuzeichnen. Und dann, nach einer Kurve, öffnete sich der Horizont. Vor uns ragten die majestätischen, noch aktiven Vulkane auf, die ihre weißen Rauchzeichen in den tiefblauen chilenischen Himmel schickten. In diesem Augenblick wird einem schlagartig klar, in was für einer kraftvollen, lebendigen Erde wir hier unterwegs sind. Am Nachmittag haben wir unseren Übernachtungsplatz gefunden. Wir stehen hier auf knapp über 4.000 Metern Höhe in der absoluten Einsamkeit. Keine Zivilisation, kein Motorenlärm, kein künstliches Licht. Nur das pure, unberührte Altiplano und wir. Das ganz große Finale aber gehörte der Nacht. Wenn die Sonne hinter den Bergschultern versinkt, explodiert der Himmel förmlich. Die Milchstraße funkelt hier oben so nah und monumental, dass man trotz der eisigen Kälte einfach nur sprachlos nach oben starrt und spürt, wie gigantisch dieses Universum ist. Doch das Altiplano zeigt hier oben auch seine ungeschminkte Realität. Sobald die Sterne die Regie übernehmen, kriecht eine arktische, unerbittliche Kälte an das MANle heran. Das Thermometer stürzte in dieser Nacht auf knackige -10,4°C. Diese Kälte erinnert uns in jeder Sekunde daran, wie wild und ungezähmt diese Welt hier oben ist, und wie wertvoll die gut gebaute Kamine ist mit der wir unterwegs sind. Die Dieselheizung hat überhaupt keine Probleme die Temperatur im MANle auf 23°C zu halten Wir kochen nun doch in der Kabine und bereiten panierte Schnitzel mit überbackenem Rosenkohl zu. Susanne hat im Moment gar keine Probleme mit der Höhe. Wir senken die Nachttemperatur auf 18°C So können wir gut schlafen und alle Staufächer, Tanks und Installationen bleiben sicher über 10°C. Zora hat natürlich überhaupt kein Problem mit der Kälte, Sie bleibt auch nach dem Fotografieren des Sternenhimmels draußen und will überhaupt nicht reingehen.




















