Auf Reisen gewöhnt man sich an vieles, nur nicht an Abschiede. Heute war so ein Tag, an dem die Motoren warm liefen und der Platz spürbar leerer wurde. Zuerst verabschiedeten sich Gabi und Ernst. Bei ihnen wissen wir: Man sieht sich immer zweimal im Leben, und da sich unsere Routen stark ähneln, kreuzen sich die Tracks ganz sicher bald wieder. Deutlich schwerer fiel das Winken bei Axel und Elke. Für die beiden tickt die Uhr Richtung Montevideo, der Verschiffungstermin nach Hause steht fest. Das war wohl ein Abschied für immer, und so mischte sich ein spürbarer Hauch von Wehmut in den Staub, den der mächtige Mercedes beim Rollen durchs Hoftor aufwirbelte. Aber Trübsal blasen hilft auf der Piste nicht, der Blick geht nach vorn. Um den Kopf freizubekommen, machten wir uns zusammen mit Martin und Hündin Lena auf den Weg hinunter zum Fluss. Die beiden Vierbeiner sind inzwischen ein unschlagbares Team, egal ob sie gemeinsam die Nandus aufscheuchen oder sich ins Wasser stürzen. Nach der Hitze des Tages gab es für Zora und Lena kein Halten mehr: Sie wateten durch die Strömung, schnüffelten jeden Busch ab und genossen die erfrischende Pause in vollen Zügen. Zurück am Truck war erst einmal Grundversorgung angesagt: Der Bierbestand hatte die kritische Reservemarke erreicht, also ging es kurz in die nächste Tienda für eisgekühlten Nachschub. Ganz ohne Schrauberei geht so ein Campingtag natürlich selten zu Ende. Die Starlink-Antenne streikte plötzlich, und ich hatte sofort einen bösen Verdacht. Ein Blick zwischen Hütte und Aufbau bestätigte es: Die alte Flickstelle aus Lima hatte die harten Rüttelpisten nicht überstanden. Um das Fahrerhaus für Wartungsarbeiten kippen zu können, braucht das Kabel eine gut 1,5 Meter lange Schlaufe. Diese schwingt und gautscht beim Fahren beständig hin und her. Durch die Dauerbewegung geriet die geflickte Stelle unter Zug, und der dünnste der 0,25-mm²-Drähte riss direkt an der Lötstelle ab. Also Lötkolben raus, alles sauber neu verlötet und diesmal eine solide mechanische Schienung gebaut: Zwei Längsstreben nehmen nun sämtliche Zug- und Knickkräfte auf, bevor das Kabel wieder wasserdicht versiegelt wurde. Kaum stand die Schiene, stand auch die Verbindung zu den Satelliten wieder wie eine Eins. Zwischendurch rauchten die Köpfe über den Karten. Durch die letzten Verzögerungen haben wir etwas Zeit verloren, aber wir bleiben unserer Linie treu: Es geht mitten hinein ins Pantanal. Wo die Pisten enden, nehmen wir den Ponton über die Flussläufe. Und auch vor den berüchtigten Lehmpisten wie der BR-319 schrecken wir nicht zurück, selbst mit dem Wissen im Hinterkopf, dass der einsetzende Regen die Piste in eine Rutschpartie verwandeln kann. Kaum neigte sich der Tag dem Ende zu, eröffnete ich draußen vor dem Staukasten die improvisierte Pommesbude. Dank ausreichend Landstrom bruzzelte die Induktionsplatte auf Hochtouren: knusprige Fritten, eine herzhafte Wurst und würzige Currysoße, echtes Heimatgefühl im tiefsten Paraguay. Martin gesellte sich noch auf ein kühles Bier und eine Portion zu uns, nachdem er die etwas zu aufgedrehte Lena wieder in seinen Mercedes-Truck gebracht hatte. Martin ist schon ewig auf Achse und hat die halbe Welt gesehen. Bei Benzingesprächen und Anekdoten aus allen Ecken des Kontinents verflog die Zeit wie im Flug, bis die Nacht längst über dem Camp lag. Nachdem das Frittierfett verstaut und die Tische abgewischt waren, fielen wir nach diesem emotionalen, arbeitsreichen und rundum gelungenen Tag müde und zufrieden in die Kojen.






