Wir haben beschlossen, einen weiteren Tag an diesem herrlichen See zu verbringen und eine Wanderung entlang der fast unbefahrenen Ruta 28 zu machen. Heute geht es allerdings ganz gemütlich los, denn Susanne und Zora schlafen erst einmal ausgiebig bis um halb zehn. Auch nach dem Aufstehen kommt keinerlei Hektik auf, unsere geplante Strecke ist schließlich gerade einmal zehn Kilometer lang. Erst um 11:30 Uhr schnüren wir die Wanderschuhe. Die erste Station sind die Ruinas de Piedra, alte Steinhäuser vergangener Kulturen hier am See. Heute sind diese historischen Gemäuer allerdings fest in der Hand der lokalen Pferde, die immer wieder völlig frei mitten im Wald stehen. Anschließend geht es hinab ins Tal zum Río Olta, der den Stausee speist. Das ist nun wieder ganz nach Zoras Geschmack: mächtige Felsen und jede Menge klares Wasser. Wir lassen die Wilde ausgiebig toben und folgen eine Zeit lang dem malerischen Flusslauf. Entlang der Strecke sind viele schöne Picknickplätze mit reichlich Raum zum Parken eingerichtet, sodass man hier eigentlich überall problemlos übernachten könnte. Doch wir stehen an unserem Platz am See perfekt und ebenfalls völlig kostenlos. Nach etwas mehr als fünf Kilometern drehen wir um. Immer wieder blicken wir nach oben und beobachten die Kondore, die erhaben über uns schweben und das Tal nach Aas abscannen. Überhaupt haben wir heute richtig Glück mit den Fotomotiven: Neben unterschiedlichsten Vögeln entdecken wir sogar mitten im südamerikanischen Winter wunderschöne Blüten. Ein kleiner Adrenalinkick lässt nicht lange auf sich warten: Unweit von uns bricht plötzlich eine große Ziegenherde aus dem Gebüsch. Zora ist sofort auf Attacke gebürstet! Doch ein einziges Wort genügt, sie hört aufs Wort, dreht ab, holt sich brav ihre Streicheleinheiten ab und die Herde ist augenblicklich vergessen. Als die Ziegen nach einigen Metern Richtung Fluss abbiegen, können wir unseren Weg völlig entspannt fortsetzen. Einzig die fiesen Dornen am Wegesrand machen Zora ab und zu zu schaffen. Doch wie der Profi, der sie ist, legt sie sich einfach hin, hebt die betroffene Pfote an und wartet geduldig, bis wir das Übel gezogen haben. Als wir am Nachmittag zum Campingplatz zurückkehren, sind zwei weitere kleine Camper eingetroffen. Da hier im Winter jedoch alles geschlossen ist und es weder Wasser noch offene Toiletten gibt, gehen sie am späten Nachmittag wieder. So gehört uns dieser traumhaft ruhige Ort schnell wieder ganz alleine. Da noch reichlich Zeit bleibt, beschließen wir, einen deftigen Eintopf zu zaubern. Sonnenenergie haben unsere Akkus heute genug getankt, sodass der Schnellkochtopf auf dem Induktionsfeld mühelos das Durchgaren übernimmt. Zora übernimmt derweil die gewissenhafte Küchenwache, schließlich wurde für den Eintopf feines Fleisch angebraten! Obwohl es weitgehend windstill ist, ziehen wir uns bei frischen 6 °C zum Essen lieber nach drinnen ins Gemütliche zurück. Nachdem alles aufgegessen und Tisch sowie Stühle wieder im MANle verstaut sind, kehrt draußen eine magische, absolute Stille ein. Der Wind schläft nach der Dämmerung komplett ein und kein einziges Geräusch dringt mehr an unser Ohr. Müde, glücklich und erfüllt von den Eindrücken des Tages fallen wir heute früh in die Federn.


















