10.09.2026 Hospital Km 81, triefende Vergaser und Hundespaß am Fluss

Der Tag beginnt mit dem typischen Trommeln auf dem Dach: Regen am frühen Morgen. Da an Losfahren erst einmal nicht zu denken ist, nutze ich die Gunst der Stunde für eine ausgiebige Morgenrunde mit Zora über den Platz. Die örtliche Tierwelt, Nandus, Katzen, Hühner und sogar der Affe, scheint mittlerweile vorgewarnt zu sein und geht uns respektvoll aus dem Weg. So kommen wir völlig ohne Zwischenfälle an den Tieren vorbei und drehen eine entspannte Runde draußen auf der Piste. Als wir zurück am MANle sind, meint es der Himmel gut mit uns: Die Wolken reißen auf, die Sonne blinzelt durch und das Wetter klart zügig auf. Perfektes Timing, denn wir haben ein klares Ziel für den Vormittag. Wir hatten den Tipp bekommen, dass das mennonitische Hospital Km 81 hervorragend für Hautkrankheiten und hartnäckige Insektenstiche ausgerüstet ist. Susanne und Elke wollen diese Gelegenheit nutzen, um ein paar verdächtige Hautveränderungen begutachten zu lassen. Die 21 Kilometer dorthin sind über die gut ausgebaute, zweispurige Schnellstraße im Nu abgespult. In der Klinik die erste angenehme Überraschung: Hier wird Deutsch gesprochen! Das macht die bürokratischen und medizinischen Feinheiten natürlich herrlich unkompliziert. Nach einer kurzen Anmeldung kommen die beiden Mädels auch schon ohne nennenswerte Wartezeit an die Reihe. Das Aufatmen folgt auf dem Fuß: Alles völlig harmlos. Mit den passenden Salben, die wir direkt in der hauseigenen Farmacia mitnehmen können, ist die Sache erledigt. Erleichtert machen wir uns auf den Weg zurück zum Parkplatz. Doch kaum nähern wir uns den abgestellten Betas, steigt uns dieser ganz spezielle, unverkennbare Geruch in die Nase: frischer Kraftstoff. Ein Blick genügt, aus Axels Vergaser tropft es munter auf den Boden. Für mich ein absolut bekanntes Déjà-vu, denn genau dieses Kunststückchen hatte sich meine eigene Beta damals auch schon geleistet! Also keine Zeit verlieren, den Benzinhahn im Auge behalten und zügig zurück zum Campground gedüst, um die OP am offenen Vergaser anzugehen. Kaum steht die Maschine aufgebockt im Camp, ist der Vergaser auch schon draußen. Und tatsächlich: Es ist haargenau derselbe kleine, gerissene O-Ring am Nadelventil wie damals bei mir! Axel kramt in seinen Ersatzteilen, zaubert einen neuen Dichtring hervor und nach wenigen geübten Handgriffen ist das Benzingrab wieder absolut dicht. Schrauber-Triumph auf ganzer Linie! Bevor es nun mit den Maschinen nach Caacupé geht, steht erst einmal das Vergnügen der Vierbeiner an. Zusammen mit Martin und seiner Hündin Lena ziehen wir an den nahen Fluss, damit Zora und Lena sich mal so richtig auspowern können. Es kommt natürlich genauso, wie es kommen muss: Nach wildem Toben im Schlamm und Wasser bringen wir zwei komplett panierte, tiefschwarze Hunde mit zurück. Zora bekommt eine gründliche Standplatzdusche verpasst, wird mit dem Handtuch trocken gerubbelt und darf sich dann zur wohlverdienten Siesta ins MANle kuscheln. Jetzt haben wir freie Bahn für die Stadtfahrt. Während Susanne, Elke und Axel die berühmte Basilika von Caacupé ansteuern, schlendere ich lieber durch die lokalen Geschäfte und lasse das bunte Treiben auf mich wirken. Nach der Kultur treffen wir uns alle wieder und kehren am zentralen Platz in einem der typischen Straßenrestaurants zum Abendessen ein. Der Verkehr und das Straßenleben machen dem paraguayischen Temperament alle Ehre, es ist ganz schön laut hier, sodass wir das Essen nicht unnötig in die Länge ziehen. Ein kühles Bierchen zum Essen fällt ohnehin flach: In Paraguay gilt die strikte 0,0-Promille-Grenze, und die Kontrollen sind hier absolut humorlos. Pünktlich zum Einbruch der Dämmerung rollen unsere Betas wieder auf den Campingplatz. Den lauten Stadttrubel tauschen wir nur allzu gern gegen die Ruhe am Truck: Wir klappen die Stühle vor dem MANle auf und bitten auch Gabi, Erich und Martin zu uns in die Runde. Bei Kerzenschein, kühlen Getränken und bester Laune werden die jüngsten Reiseerfahrungen ausgetauscht. Zora und Lena halten wachsam die neugierigen Camp-Tiere auf Abstand, es wird unglaublich viel gelacht und so vergeht die Zeit wie im Flug, bis wir alle spät, aber rundum zufrieden, in die Kojen fallen.

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