Manchmal nimmt ein Tag eine Wendung, mit der man beim ersten Kaffee im Leben nicht gerechnet hätte. Eigentlich begann alles ganz friedlich mit der morgendlichen Runde mit Zora durch das noch kühle Grün. Der Plan für den Vormittag stand fest: Susanne brauchte einen Kontrolltermin für ihren Zahn. Also Hebebühne am MANle runter, die Beta angeworfen, die ohne Murren sofort schnurrte, und ab auf die zwölf Kilometer kurze Piste Richtung Caacupé. Die Fahrt durch die Stadt entpuppte sich als echter Glücksgriff: Eine zweispurige Einbahnstraße schlängelt sich lebendig an bunten Läden und kleinen Werkstätten vorbei, buntes Treiben überall und an jeder Ecke etwas zu entdecken. In der modernen Zahnklinik wurden wir schon erwartet. Während Susanne zum Röntgen verschwand, dachte ich mir nichts Böses und zeigte der Ärztin beiläufig meinen abgebrochenen Zahnstumpf. Ein fataler Fehler – denn damit hatte ich zielsicher in ein Wespennest gestochen! Schnell war klar: Unter der alten Krone hatte sich Karies eingenistet und das Ding schlichtweg abgesprengt. Die Zahnärztin fackelte nicht lange: ran an die Substanz, sauber auskratzen, ohne Umschweife und mit einer Entschlossenheit, die mich kurz die Zähne zusammenbeißen ließ. Doch der Spuk war schnell vorbei. Der Zahn wurde kunstvoll wieder aufgebaut, gehärtet und akribisch für eine neue Porzellankrone zurechtgeschliffen. Beeindruckend war das Hightech-Equipment: Statt ekliger Abdruckmasse kam ein moderner Intraoralscanner von Shining 3D zum Einsatz, der den Kiefer in Sekundenschnelle digital vermaß. Nach Farbauswahl und Besprechung stand fest: Fünf Tage dauert die Maßanfertigung. Das Ergebnis: Bei Susannes Zahn war alles in bester Ordnung, aber ich ging als stolzer Besitzer eines Kronen-Auftrags aus der Praxis. So kann’s gehen: Man bringt die Frau zum Zahnarzt und kommt selbst runderneuert wieder raus. Auf dem Rückweg folgte der nächste Volltreffer. Eigentlich wollten wir in einem Lkw-Zubehörladen nur Bremsenreiniger für Axel besorgen. Doch das Schicksal meinte es gut mit uns: An der Wand hing exakt das passende Glas für unser gebrochenes Rücklicht! Dazu wanderten gleich noch die vorgeschriebenen Reflektorstreifen und die passenden Abdeckungen für unsere Zusatzscheinwerfer in die Tasche, um künftigen Diskussionen mit der paraguayischen Caminera souverän aus dem Weg zu gehen. Ein perfekter Streifzug. Zurück im Camp wartete schon die nächste Baustelle: Die Pneumatik für Axels Untersetzung zickte rum. Die Schadstelle war unter dem Fahrerhaus schnell lokalisiert – ein durchgescheuerter PA-Schlauch. Wie gut, dass unsere rollende Werkstatt bestens bestückt ist: passender Schlauch, Verbinder, alles an Bord. Doch die Tücke lag im Detail: Der störrische, harte Kunststoffschlauch weigerte sich beharrlich, über die enge Verbindungstülle zu rutschen, und zum Drücken fehlte im verwinkelten Gestänge schlicht der Hebel. Hier half ein kleiner Buschtrick: Statt den empfindlichen Kunststoff mit dem Heißluftföhn direkt anzublasen und spröde zu machen, erwärmte ich die Klinge eines passenden Kreuzschlitzschraubendrehers und schob ihn vorsichtig in den Schlauch. Von innen sanft und gleichmäßig temperiert, ließ sich das Material geschmeidig über die Tülle treiben. Verbinder drauf, Klick, und die Untersetzung schaltet wieder wie am ersten Tag! Nach getaner Schrauberei, aufgeräumtem Werkzeug und einer heißen Dusche war der Hunger riesig. Zeit für den großen Auftritt unserer mobilen Kombüse: Im Backofen schmorten saftige Schweinelenden, während die neue Heißluftfritteuse goldbraune Kroketten knusprig zauberte. Unser Wechselrichter steckte die doppelte Stromlast klaglos weg. Elke steuerte einen frischen grünen Salat mit Tomaten bei, und so saßen wir in bester Runde unter der Markise zusammen. Später stieß noch Martin mit seiner Hündin Lena zu uns. Die beiden hatten den Nachmittag mit Susanne und Zora unten am Fluss verbracht, die Hunde waren restlos ausgepowert, bestens aufeinander eingespielt und dösten friedlich nebeneinander, während wir uns die Bäuche vollschlugen. Es wurde spät, die Geschichten nahmen kein Ende, und am Ende fielen wir satt, zufrieden und mit dem guten Gefühl ins Bett, dass alles wieder läuft wie geschmiert.








