Es ist mit 1 °C draußen richtig kalt, aber Zora will unbedingt raus. Bevor sie mir noch das Fliegengitter am Fenster zerlegt, schäle ich mich aus dem Bett und lasse sie gewähren. Warm eingepackt folge ich ihr ins Freie. Wir laufen den gesamten Platz ab, doch was ihr da bloß Hummeln in den Hintern gesetzt hat, bleibt ihr Geheimnis. Es gibt hier Lamas – vielleicht war eines davon einfach etwas zu neugierig. Ich nutze die frühe Morgensonne und lasse die Drohne noch einmal steigen, um den Canyon abzufliegen. Da wir ohnehin noch auf die Kondore warten wollen, machen wir einen Spaziergang zu den tiefer liegenden Plateaus. Das ist natürlich genau nach Zoras Geschmack: Während wir außen herumgehen, nimmt sie den direkten Weg über die Felsen. Dass es da mal locker 100 Meter senkrecht in die Tiefe geht, stört sie absolut nicht. Wir sehen sie nur ab und zu klettern. Das Warten lohnt sich schließlich gewaltig: Drei Kondore ziehen direkt über uns hinweg auf ihrem Weg ins weite Tal. Da am MANle im Moment alles perfekt funktioniert, können wir nach dem Starten des Motors sofort losfahren. Die Ruta 150 schraubt sich erst über viele Serpentinen hoch auf ein Hochplateau und bleibt kilometerlang auf gleicher Höhe, bevor sie langsam abfällt und schnurgerade wird. Fast 50 Kilometer lang gibt es nicht eine einzige Kurve! Langeweile kommt bei dieser grandiosen Kulisse aber garantiert nicht auf, auch wenn das Bild fast surreal wirkt: Rechts und links verläuft eine Hochspannungstrasse und dahinter zieht sich ein schier endloser Zaun durch die Landschaft. Wir erreichen die kleine Stadt Patquía und biegen auf die ebenfalls bolzengerade Ruta 38 ab. Ihr folgen wir bis Chamical, um dort auf die deutlich schlechtere Ruta 79 zu wechseln. Nach etwa 35 Kilometern erreichen wir den Ort Olta und biegen auf die schmale Ruta 28 ab, die ab hier reine Erdpiste ist. Es wird stellenweise eng, aber nichts, was den Blutdruck wirklich steigen lässt. Auch die Furten, die wir durchfahren, gehören in die Kategorie: Einfach durch, ohne groß darüber nachzudenken. Nach weiteren 10 Kilometern erreichen wir die Abzweigung zum Campingplatz am Dique de Olta. Er hat zwar geöffnet, aber weit und breit ist niemand zu sehen. Wir stellen das MANle ab und machen uns sofort auf den Weg, um den wunderschönen See zu erkunden. Hier soll es ebenfalls Kondore geben – und wir haben tatsächlich das große Glück, diese majestätischen Vögel erneut kreisen zu sehen! Zora ist schon wieder nicht zu bremsen: Felsen und Wasser – eine bessere Kombination gibt es für sie einfach nicht. Die Sonne scheint uns direkt auf die Front des MANle, also holen wir die Stühle raus und stoßen mit einem kühlen Ankerbier auf den Tag an. Zora war derweil im See baden und kommt patschnass zurück. Zum Abendessen gibt es die Reste von gestern, sodass wir schnell versorgt sind. Unser geflickter Reifen hält super den Druck und auch der Gasgeruch ist komplett verschwunden. Das lässt uns hoffen, dass wir diese Sorgen nun endlich zu den Akten legen können.

























