Wir erleben einen traumhaften Sonnenaufgang, der durch kein noch so leises Geräusch getrübt wir. Hier draußen herrscht absolute Stille. Zora und ich gehen früh raus, um nichts zu verpassen. Als auch Susanne aufgestanden ist machen wir uns reisefertig. Dank Motorvorerwärmung springt das MANle sofort an und läuft sauber im Standgas. Wir fahren zurück zur Ruta11 und der Aufstieg in den Altiplano zieht sich gewaltig. Wenn das MANle die Serpentinen hochzieht und die Landschaft immer karger wird, merkt man spätestens beim Blick auf den Höhenmesser, dass man in einer anderen Welt angekommen ist. Unser Übernachtungsplatz liegt bei Putre auf satten 4.040 Metern über dem Meeresspiegel. Wir besuchen das Dorf Putre und kaufen noch ein wenig Glasreiniger und reinen Alkohol für unsere Wisch-Waschanlage, um sie vor Frost zu schützen. Anschließend ging es weiter zu den Termales de Jurasi. Kaum stand das MANle, hielt uns nichts mehr drinnen. Bei einer kleinen Wanderung direkt rund um unseren Stellplatz gab es dann auch das erste echte Highlight fürs Auge: Eine Gruppe Vicuñas stand elegant in der kargen Landschaft. Diese grazilen Anden-Kamele so nah in freier Wildbahn zu beobachten, hat einfach etwas Magisches. Leider sind die Becken zwar mit heißem Quellwasser gefüllt und ein paar Unerschrockene waren auch am Baden, aber der Gesamteindruck war ehrlich gesagt ziemlich schmutzig und wenig einladend. Statt eines entspannten Bades gab es also nur eine kurze Besichtigung. Zora hat das kaum gekümmert, sie hat hier einen chilenischen Hundekumpel aufgetrieben und war bestens beschäftigt. Zurück am Lkw war erst mal wieder Handwerk gefragt. Weil die Technik im Altiplano extremen Bedingungen ausgesetzt ist, stand ein wichtiges Projekt auf dem Zettel: der Einbau eines manuellen Schalters für den Batterieladebooster. Das hat einiges an Zeit in Anspruch genommen, ist aber die perfekte Lösung, damit wir die Batterien vor dem Starten des Motors etwas Ladestrom geben können und so die Batterien aufwärmen und die Chemie in Gang bringen. So haben die Batterien ihre volle Power und werden geschont. Als draußen die Sonne verschwand, zog die andine Kälte sofort an. Für das MANle, das auch schon schadlos bei -20 °C stand, war das natürlich kein Problem. Dank des durchdachten Anlagenbaus mit beheiztem Doppelboden und hinterlüfteten Schränken blieb es drinnen absolut trocken und Kondensat frei. Während der Wind draußen pfiff, saßen wir bei kuscheligen 21 °C in der Dinette. Zum Abendessen gab es selbstgebaute Luxus-Burger und ein eiskaltes Flensburger Gold aus der alten Heimat, ein genialer Geschmack aus dem Norden mitten in den einsamen Anden. Vor dem Schlafengehen folgte der Blick nach oben: Auf über 4.000 Metern, fernab jeder Lichtverschmutzung, ist der Sternenhimmel so klar und gewaltig, dass man minutenlang einfach nur sprachlos dasteht. Totale Stille da draußen, wohlige Wärme hier drinnen.



















