09.07.2026 Fahrt nach Argentinien über den Paso de Jama nach Purmamarca

Es ist wieder bitterkalt heute früh in der unbarmherzigen Höhe der Anden, und so wecken wir zeitig das MANle zum Leben, das sich erst mal kräftig schütteln muss, um die eisige Nacht aus dem Motor zu vertreiben. Unser heutiges Ziel ist der berüchtigte Paso de Jama, um die Grenze nach Argentinien zu passieren, und kaum haben wir die ersten Kilometer hinter uns gelassen, geht es auch schon stetig weiter steil nach oben auf ein gewaltiges Hochplateau. Hier oben regiert der Dauerfrost bei Temperaturen zwischen -3°C und -5°C, was die Straße stellenweise in eine tückische Rutschbahn verwandelt, da das tägliche Schmelzwasser in den eiskalten Nächten sofort zu spiegelglatten Eisplatten gefriert. Während unser treuer Allrad-Riese das mühelos meistert, wird die Strecke für Motorradfahrer zur absoluten Zerreißprobe, doch an einer steilen Gefällstrecke nützt uns selbst das beste Profil nichts mehr, weil querstehende, schwer beladene LKWs die vereiste Fahrbahn komplett blockieren. Nach gut einer Stunde des Wartens in dieser eisigen Einöde naht Rettung in Gestalt eines mächtigen Mercedes 6×6 Schneepflugs, der mit seinem schweren Schild die Eisplatten von der Straße kratzt, die liegengebliebenen Riesen hochzieht und uns somit eine schmale Gasse freimacht, durch die wir uns mit gut zwei Stunden Verspätung durchmogeln können. Endlich fällt die Straße wieder merklich ab, die Temperaturen steigen und ab 4200 Metern Höhe ist die Fahrbahn endlich wieder schnee- und eisfrei, sodass wir das MANle kilometerweit fast ohne Last einfach entspannt bergab rollen lassen können, bis wir die Grenzstation erreichen. Vor uns erstreckt sich eine schier endlose, über einen Kilometer lange Schlange wartender LKWs, an der wir jedoch völlig tiefenentspannt vorbeiziehen, sodass die eigentliche Abfertigung dank perfekter Vorbereitung und Zoras lückenlosen Papieren in nicht einmal einer Stunde komplett erledigt ist, wobei selbst die gefürchtete Lebensmittelkontrolle nur einen flüchtigen Blick in unsere Kabine wirft. Nun trennt uns nichts mehr von der argentinischen Ruta 52, die sich durch eine absolut atemberaubende, wilde Landschaft schneidet, doch mit Blick auf die dünne Luft und unser Höhenprofil beschließen wir, es für heute gut sein zu lassen und schlagen auf 3900 Metern im Windschatten ein paar alter, verlassener Lehmhütten unser Nachtlager auf. Dank der Zeitverschiebung von einer Stunde nach vorn bleibt es abends länger hell, was wir sofort nutzen, um draußen ausgiebig zu kochen und zu braten, während wir die absolute Einsamkeit genießen, in der sich kaum drei Fahrzeuge pro Stunde an uns vorbeiverirren. Zora ist in ihrem absoluten Element und schnüffelt im Pistenstaub nach uralten Knochengerippen, die sie stolz verbuddelt, wobei ihre komplett dreckige Nase sie natürlich sofort wieder an uns verrät. Als sich schließlich der eisige Wind trotz unseres Windschattens durchsetzt und die tiefschwarze Nacht über der Hochebene hereinbricht, ziehen wir uns glücklich in das herrlich geheizte MANle zurück, kuscheln uns ganz eng zusammen und knipsen nach diesem ereignisreichen Tag zufrieden die Lichter aus.

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