Heute heißt es: Raus aus den Federn, und zwar verdammt früh! Unser Ziel ist das Geysirfeld Tatio kurz nach Sonnenaufgang. Da noch gut 50 Kilometer Piste vor uns liegen, brechen wir bei absoluter Dunkelheit auf. Dank unserer bärenstarken Zusatzscheinwerfer ist das aber kein Problem, wir machen die Nacht einfach zum Tag. Das MANle springt trotz der extremen Höhe und der klirrenden Kälte super an und zieht die steile Piste hinauf auf 4800 Meter sauber durch. Das Thermometer zeigt draußen eisige -15°C an, doch unser Truck zeigt sich völlig unbeeindruckt. Wir erreichen das Geysirfeld punktgenau. Die Sonne steigt gerade über die Gipfel der umliegenden Vulkane und taucht das gesamte Feld mit seinen dampfenden Schloten in ein absolut magisches, goldenes Licht. Während Susanne die Eintrittskarten besorgt, fahre ich das MANle ein Stück weiter abseits, schließlich müssen wir Zora irgendwie mit reinnehmen. Schmuggler-Mission geglückt! Als Susanne wieder an Bord ist, rollen wir ins Geysirfeld. Die Wege hier oben sind gut befestigt und breit genug für unser MANle. Dick eingepackt in unsere Winterklamotten erkunden wir die ersten Geysire. Das MANle lassen wir währenddessen einfach laufen; so bleibt die Kabine für Zora schön warm und der Motor kühlt in der eisigen Höhe nicht aus. Wir steuern drei verschiedene Plätze an und staunen über die gewaltigen, dichten Dampfwolken, das sprudelnde Wasser darunter kann man vor lauter Nebel kaum sehen. Als die Sonne schließlich höher steigt und kräftiger wird, verzieht sich der Dampf langsam. Für uns das Zeichen zum Aufbruch. Wir beschließen, zurück nach San Pedro de Atacama zu fahren, um dort zu tanken und direkt im Anschluss die Auffahrt zum Paso de Jama in Angriff zu nehmen. Unser Plan: Wieder auf angenehmen 3500 Höhenmetern zu übernachten. Auf dem Rückweg läuft das MANle wie ein Uhrwerk. Wir fahren auch noch raus zum Geysir Blanca, denn dort kann Zora raus, da dieser frei zugänglich ist. Am Estacionamiento Puritama legen wir einen weiteren kurzen Stopp ein und treffen auf einen 6×6 Mercedes mit Krug-Aufbau. An Bord ist eine fünfköpfige Familie aus Berlin, die vom Süden in den Norden reist. Wir unterhalten uns lange und tauschen ausgiebig Reiseerfahrungen aus, genau das, was das Overlander-Leben ausmacht. Nach dem Abschied nutzen wir den Platz noch für unsere eigene Mittagspause, bevor wir das letzte Stück zur Tankstelle in San Pedro de Atacama zurücklegen. Hier werden beide Dieseltanks randvoll gemacht. Vorsorglich wandern auch gleich die Additive mit in den Tank, denn der Paso de Jama schraubt sich auf fast 4900 Meter hoch und verläuft über eine lange Zeit auf über 4000 Metern. Als wir die N-27 hochfahren, gönnt sich das MANle mal locker über 70 Liter Diesel auf 100 Kilometer, die Höhe fordert ihren Tribut. Auf rund 3500 Metern entdecken wir schließlich eine Piste, die uns in eine geschützte Senke führt. Der perfekte Stellplatz für die Nacht. Um uns und Zora nach diesem langen Fahrtag noch etwas Auslauf zu gönnen, laufen wir gut 2 Kilometer die Piste entlang und genießen die fantastische Aussicht hinunter ins Tal. Die Temperaturen hier unten sind noch richtig angenehm, also verlagern wir die Küche nach draußen: Die Würstchen und der Brokkoli werden unter freiem Himmel angebraten. Da wir unsere Eier aufbrauchen müssen, wandern sie direkt mit zu den Nudeln in die Pfanne, ein echtes, nahrhaftes Handwerker-Abendessen nach einem ereignisreichen Tag. Zora schnüffelt währenddessen noch draußen herum; die warme Kabine reizt sie erst mal gar nicht. Erst als ich die fertigen Würstchen reintrage, schaltet sie auf Empfang und trottet mir brav hinterher. Mittlerweile ist der Verkehr auf der N-27 komplett eingeschlafen. Es wird eine unendlich ruhige, wenn auch verdammt kalte Nacht in den Bergen.












