Heute heißt es Abschied nehmen von Tanja und Gunnar. Unsere Wege trennen sich wieder, und wie immer auf solchen Fernreisen schwingt die leise, schmerzliche Frage mit: Wer weiß schon, wann und wo auf der Welt wir uns wiedersehen? Nach einem letzten gemeinsamen Erinnerungsfoto düsen die beiden schließlich davon. Für uns bricht der Tag dagegen herrlich gemächlich an. Bis zu unserem Tagesziel nach Trinidad sind es gerade einmal sieben Kilometer, Zeitdruck existiert heute nicht. Also schnüren wir die Schuhe und machen uns auf den Weg hinunter zum Fluss. Zora ist sofort in ihrem Element, die Nase am Boden und pure Vorfreude im Blick. Wir folgen dem Wasserlauf ein ganzes Stück weiter als sonst, bis wir an eine breite Furt gelangen. Für Fahrzeuge ist hier derzeit absolut kein Durchkommen, aber für Zora ist die steinige Einfahrt die perfekte Startrampe: Mit Vollgas und fliegenden Ohren prescht sie ins Wasser! Die Strömung ist zahm, die Tiefe überschaubar, und das Plantschen ist die reinste Freude. Zurück am Truck wartet erst einmal ein zünftiges Vesper. Doch so ganz lässt mir die Technik keine Ruhe: Die leicht nach vorne abgekippten Treppenstufen unseres Einstiegs nerven mich schon seit Tagen. Wenn schon Pause, dann richtig! Also lege ich mich kurzerhand unters MANle, setze den Bohrer an und verpasse dem Gestänge neue Anschläge, um den Klappwinkel etwas früher abzufangen. Der Erfolg übertrifft alle Erwartungen: Die Stufen stehen nun mit minimalem Vorlauf nach oben, kein Wippen mehr, bombenfest. Endlich hat man beim Ein- und Aussteigen wieder ein absolut sicheres Trittgefühl unter den Sohlen. Frisch aufgeräumt rollen wir die kurze Etappe nach Trinidad und steuern den großen Parkplatz der Ruinen an. Da wir hier über Nacht bleiben wollen, rangieren wir das MANle sorgfältig auf unsere neuen Auffahrbretter, bis alles perfekt im Blei steht. Am Ticketbüro sichern wir uns gleich das volle Programm: Wir wollen die berühmte Jesuitenmission Santísima Trinidad del Paraná sowohl im warmen Tageslicht erkunden als auch später bei Dunkelheit, wenn die alten Mauern angestrahlt werden. Der Rundgang zwischen den gewaltigen Sandsteinquadern, den Portalen und dem Wehrturm hinterlässt einen tiefen Eindruck. Nachdem wir das weitläufige Areal ausgiebig abgelaufen sind, meldet sich der Magen. Im kleinen Restaurant um die Ecke merken wir allerdings schnell, dass Zora heute keine Ruhe finden würde: Die Schar an bettelnden Straßenhunden rund um die Tische ist einfach zu groß, also bringen wir sie vor dem Essen lieber zurück in die sichere Trutzburg unseres Trucks. Als die Dunkelheit hereinbricht, rollt unerwartet Trubel an: Zwei vollbesetzte Polizeibusse bringen Besucher für die abendliche Lichtshow. Freies Herumstreifen ist jetzt passé, man bewegt sich geschlossen mit einem Guide über die beleuchteten Pfade. Doch der Ausflug in die Nacht lohnt sich allemal! Erst im harten Schattenspiel der Scheinwerfer treten die meisterhaft in den roten Stein gemeißelten Reliefs, Engel und Verzierungen mit einer Plastizität hervor, die das flache Sonnenlicht am Tag komplett verschluckt. Unsere digitale Begleiterin Nayru liefert uns dazu live die passenden historischen Hintergründe und macht den Spaziergang durch die 300 Jahre alte Geschichte unheimlich kurzweilig. Zurück am Parkplatz bietet sich uns ein echtes Bild für Götter: Unser MANle ist buchstäblich von einer hungrigen Hundemeute belagert. Kurzerhand teilen Susanne und ich die Rollen auf: Ich schnappe mir Zora und drehe eine weite Runde über den dunklen Platz, während unsere unermüdliche Hundefee Susanne mit vollen Händen antritt und die knurrenden Mägen der vierbeinigen Parkplatzwächter versorgt. Erst als alle Bäuche vollgeschlagen sind und sich die Meute friedlich in die Büsche trollt, kehren wir zurück. Bei frischen 15 °C Außentemperatur machen wir schnell die Tür hinter uns zu und verziehen uns ins kuschelig warme MANle. Der Tag war voller Gegensätze, vom Abschiedsschmerz über staubige Schrauberei bis hin zu lebendiger Geschichte im Scheinwerferlicht. Jetzt fallen uns die Augen zu.






















