02.09.2026 Keine und große Reparaturen

Nach einer herrlich ruhigen Nacht braucht die paraguayische Sonne heute Morgen eine ganze Weile, um den dichten Frühnebel wegzubrennen. Doch kaum bricht das Licht durch, juckt es mir schon in den Schrauberfingern, und die Werkstatt im Freien wird eröffnet. Ganz oben auf dem Zettel steht die wichtigste Baustelle: unsere undichte Gasversorgung. Ein Thema, bei dem man keine halben Sachen macht. Gunnar und Tanja haben die heiß ersehnten Ersatzteile mitgebracht, und sie sitzen auf Anhieb wie angegossen. Einbauen, anziehen, Lecksuchspray, sofort absolut dicht! Doch der Mechaniker-Stolz lässt mir keine Ruhe. Ich will genau wissen, wo der Hund begraben lag. Also her mit der Flex und das alte Teil beherzt aufgetrennt. Die Ursache springt mir sofort ins Auge: Die eingepresste Messingscheibe, die eigentlich als Dichtungssitz dient, sitzt im Gehäuse lose wie ein Wackelzahn. Das Gas pfiff also nicht an der Dichtung vorbei, sondern suchte sich seinen Weg klammheimlich durch die verpfuschte Pressverbindung. Jetzt ist die Ursache entlarvt und das Problem endgültig Geschichte. Direkt im Anschluss nehme ich mir Gunnars rollende Baustellen vor. Die defekte Positionsleuchte ist eine reine Minutensache und im Handumdrehen getauscht. Seine Elektronik meldet zudem Fehler im Display wegen angeblich defekter Rückleuchten, doch mit einem sauberen Lichttest samt Lasterkennung bringen wir die Steuergeräte schnell wieder zur Vernunft. Richtig knifflig wird es erst bei seiner Rückfahrkamera. Doch hier zahlt sich jahrzehntelange Erfahrung aus: Ein prüfender Blick auf das Kabel am Stecker zeigt eine verdächtige Verfärbung des Mantels. Hoher Übergangswiderstand, thermische Überlastung, kurz vor dem Kabelbrand – hier wurde es definitiv brandheiß! Bevor Tanja vor Schreck überhaupt Schnappatmung bekommen kann, greife ich zur Zange, zwicke den maroden Stecker kurzerhand ab und klemme die Adern probehalber direkt zusammen. Das Bild flackert sofort glasklar auf. Also wird die Lösung solide zementiert: Alle Adern sauber miteinander verlötet und nach bester alter Handwerkskunst mit UV-beständigem 3M-Isolierband bombensicher verschweißt. Als Tanja das Display testet, halte ich grinsend den Finger vor die Linse, ein bisschen Werkstatt-Humor gehört schließlich dazu! Danach wartet noch unsere eigene Rückleuchte am MANle. Blinker und Bremslicht streiken, die Sicherung ist geflogen. Eine Sicherung fliegt nie ohne Grund, also mache ich mich auf die Fehlersuche. Da muss wohl ein echter Schutzengel auf meiner Schulter gesessen haben, denn in dem engen Lampengehäuse entdecke ich eine haarfein gebrochene Blechleiterbahn. Sie hatte sich unbemerkt auf die Nachbarbahn gelegt und den Kurzschluss fabriziert. Ein kleiner Überbrückungsdraht, etwas Lötzinn, und der Strom fließt wieder wie am ersten Tag. Da das Gehäuse anschließend verklebt werden muss, fliegt das alte Leuchtobst im selben Zug komplett raus,– frische Birnen überall, damit hier für die nächsten Jahre absolute Ruhe herrscht. Erst am späten Nachmittag fällt das Werkzeug aus den Händen. Während ich Leitungen und Lampen gebändigt habe, hat Susanne den MANle auf links gedreht: Die gesamte Wäsche flattert auf der Leine, das Bettzeug ist frisch, und dem feinen Pistenstaub der letzten Wochen ging es so gründlich an den Kragen, dass selbst der Akkusauger vor Erschöpfung schlappgemacht hat. Zum krönenden Abschluss eines erfolgreichen Schraubertags laden uns Gunnar und Tanja ins nahegelegene Schweizer Restaurant ein. Schnell den Blaumann gegen zivile Kleidung getauscht, und schon schlendern wir die paar hundert Meter hinüber. Ein herzliches „Grüezi“ im feinsten Schwyzerdütsch empfängt uns, und die deftige Alpenküche mitten in Südamerika ist eine absolute Wohltat für die Seele. Bei erstklassigem Essen und bester Stimmung lassen wir den Abend gemeinsam ausklingen. Satt, zufrieden und mit schweren Beinen geht es zurück zum Truck. Nur Zora hat ihren eigenen Kopf: Bevor sie sich schlafen legt, dreht sie im majestätischen Trab noch ihre allabendliche Kontrollrunde über den Platz, Ordnung muss schließlich sein. Als auch unsere vierbeinige Wächterin wieder an Bord ist, schlagen wir die Türen zu. Das Thermometer zeigt milde 21 Grad. Perfekte Schlaftemperatur nach einem perfekten Tag.

 

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